Präzisionsarbeit: Krane bei einer OP mit der Lupenbrille.
Hightechmedizin: So sieht eine biologische Herzklappe aus. Es gibt auch eine Variante u. a. aus Karbon. © Foto: Dr. Elda Dzilic
Neue Herzklappen per Katheter: Anstatt den Brustkorb chirurgisch zu öffnen, wird eine künstliche Herzklappe über einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) von der Leistenarterie oder der Leistenvene aus bis zum Herzen geschoben. Dort wird sie entfaltet und verankert. Das Verfahren dauert oft weniger als eine Stunde und erfordert meist keine Vollnarkose. Die Patienten sind in der Regel schon am ersten Tag wieder mobil und können nach drei bis vier Tagen wieder nach Hause. Inzwischen ist die Kathetertechnik so verfeinert worden, dass bereits Patienten ab 70 Jahren auf diese Weise neue Aortenklappen erhalten. Die Altersempfehlung in den europäischen Therapie-Leitlinien wurde entsprechend von vorher 75 Jahren um fünf Jahre gesenkt. Am häufigsten werden Aortenklappen ersetzt, theoretisch können heute aber alle vier Klappen ersetzt werden. An der Mitralklappe kommen auch moderne Clipping-Verfahren zum Einsatz. „Dabei werden die beiden Segel der Mitralklappe mit einem Clip verbunden, der wie eine Klammer wirkt“, erläutert Herzchirurg Prof. Markus Krane.
Minimalinvasive Bypass-Operationen: Früher mussten Herzchirurgen das Brustbein der Länge nach aufsägen, um Bypässe zu legen – praktisch Umleitungen um verengte Herzkranzgefäße, die aus körpereigenen Arterien oder Venen bestehen. Inzwischen sind solche Eingriffe in manchen Fällen mithilfe eines minimalinvasiven Zugangs möglich. Bei dieser sogenannten lateralen (seitlichen) Thorakotomie-Technik operieren die Ärzte durch einen kleinen, etwa fünf bis sieben Zentimeter langen Schnitt auf der linken Brustseite. „Diese Vorgehensweise belastet die Patienten erheblich weniger und verkürzt die Erholungsdauer“, erläutert Krane. So können Patienten durchschnittlich bereits etwa fünf bis sechs Tage nach ihrer minimalinvasiven Bypass-OP die Klinik verlassen, während sie nach einer kompletten Brustbein-Eröffnung (Sternotomie) im Mittel elf Tage im Krankenhaus bleiben. Bypass-Operationen gelten ebenso wie die Behandlung mit Stents als sehr sicher und effektiv. „Welches Verfahren für den jeweiligen Patienten am besten geeignet ist, beraten im Herzzentrum fachübergreifende Heart-Teams“, sagt Krane.
Kleinere Herzschrittmacher ohne Kabel: Sie haben nur noch die Größe einer Vitaminkapsel und benötigen keine Sonde mehr. Stattdessen werden sie mithilfe eines Katheterschlauchs direkt in die rechte Herzkammer transportiert und dort verankert. „Bei traditionellen Schrittmachern muss der Operateur eine Hauttasche unter dem Schlüsselbein anlegen. Durch die Venen wird ein Elektrodenkabel bis ins Herz vorgeschoben.“ Bei alten Patienten lauern hier die größten Risiken: Die oft dünne Haut neigt zu Infektionen der Schrittmachertasche, und die verletzlichen Gefäße können durch die Sonden beschädigt werden. Die neuen Schrittmacher benötigen keine Sonde mehr, um die elektrischen Signale zum Herzen weiterzuleiten. Allerdings, betont Krane, seien auch herkömmliche Modelle eine gute Therapie für Patienten mit einem unregelmäßigen Herzrhythmus.BEZ