München als Hochburg der Herzmedizin: Im Herzzentrum trainierten 42 Herzchirurgen und Kardiologen aus neun Länder neue Techniken bei Eingriffen an den Herzklappen.
Prof. Markus Krane vom TUM Klinikum. © Foto: Schmidhuber
Konzentration und filigrane Handarbeit: Herzchirurgen bei einer offenen OP im Herzzentrum. Sie können heute auch vielen hochbetagten Patienten helfen, die früher als inoperabel galten. © Foto: Dr. Elda Dzilic/TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum
München – In Deutschland werden jedes Jahr etwa 410.000 Eingriffe am Herzen vorgenommen. „Der Anteil älterer Patienten wächst seit Jahren“, weiß Professor Markus Krane, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie im TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum. Statistiken untermauern diesen Trend. So verzeichnet der Deutsche Herzbericht einen signifikanten Anstieg bei den herzchirurgischen Eingriffen in der Altersgruppe 70 plus.
Im Vergleich mit anderen Herausforderungen der Altersmedizin – etwa Alzheimer-Demenz – sind die Fortschritte im Bereich der Herzchirurgie geradezu revolutionär. Denn lange Zeit galten Herzoperationen bei hochbetagten Patienten oft mit Begleiterkrankungen als viel zu riskant. Aber inzwischen können Spezialisten vielen Patienten mit kleinen Schnitten wesentlich schonender helfen – und manchmal müssen sie gar kein Skalpell mehr in die Hand nehmen.
Als Paradebeispiel gilt die Behandlung von Herzklappenerkrankungen. Noch vor 20 Jahren konnten Eingriffe an den Herzklappen nur im Rahmen einer offenen OP erfolgen. Dabei musste das Brustbein eröffnet werden. „Für viele Patienten war eine solche OP zu belastend. Doch dann eröffneten minimalinvasive Techniken ganz neue Therapiemöglichkeiten“, erläutert Krane. Inzwischen können alle vier Herzklappen mithilfe eines dünnen Katheterschlauchs durch die Leiste ersetzt werden (siehe Text unten). „Das ist einer der größten Fortschritte in der jüngeren Geschichte der Herzmedizin“, analysiert Krane. Er sieht die Entwicklung noch nicht am Ende: „Wir werden künftig immer mehr Patienten mit Herzklappenerkrankungen helfen können. Das biologische Alter allein wird in der Regel kein Ausschlusskriterium mehr sein.“
So sind die über 80-Jährigen die am schnellsten wachsende Patientengruppe in der Herzchirurgie. „Bei diesen Menschen geht es meist nicht darum, ihr Leben zu verlängern. Vielmehr wollen wir ihre Lebensqualität verbessern – etwa, indem man Beschwerden wie Brustschmerzen oder Atemnot lindert. Ziel ist es, auch im hohen Alter ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen“, sagt Krane und verweist auf den wachsenden Bedarf: „Unsere Gesellschaft wird immer älter. Gleichzeitig sind Herzkrankheiten der häufigste Grund für einen Klinikaufenthalt – noch vor Volkskrankheiten wie Krebs oder Demenz.“
Die besseren Behandlungsmöglichkeiten sind auch den Fortschritten bei der Anästhesie zu verdanken. Bei modernen Schlüsselloch-Eingriffen wie der TAVI setzen Kardioanästhesisten standardmäßig auf die Sedierung (Dämmerschlaf) in Kombination mit lokaler Betäubung. Die Patienten erhalten Schmerz- und Beruhigungsmittel, atmen aber während des gesamten Eingriffs selbstständig. Dadurch sinkt unter anderem das Risiko für Verwirrtheitszustände nach der OP, die in der Fachsprache postoperatives Delir genannt werden. Auch in der Intensivmedizin haben die Ärzte heute viel bessere Therapieoptionen als früher.
„Bei komplexen Fällen beraten interdisziplinäre Heart-Teams aus Herzchirurgen, Kardiologen und Anästhesisten gemeinsam über die beste Behandlungsmethode. Wir wiegen das Risiko des Eingriffs penibel gegen den Gewinn an Lebensqualität ab“, erklärt Krane. Durch die Fülle an Fortschritten erholen sich die Patienten schneller. Krane: „Wir können unsere Patienten früher entlassen. Nach einem Kathetereingriff an der Aortenklappe (TAVI) bleiben sie im Durchschnitt vier Tage, nach minimalinvasiven Eingriffen mit der Herz-Lungen-Maschine sechs Nächte und nach offenen Operationen mit der Herz-Lungen-Maschine acht Nächte.“
Als zusätzlicher Erfolgsfaktor gilt die fachübergreifende Zusammenarbeit der Spezialisten. „Bei komplexen Fällen beraten interdisziplinäre Heart-Teams aus Herzchirurgen, Kardiologen und Anästhesisten gemeinsam über die beste Behandlungsmethode. Wir wiegen das Risiko des Eingriffs penibel gegen den Gewinn an Lebensqualität ab“, erklärt Krane. Durch die Fülle an Fortschritten erholen sich die Patienten schneller. Krane: „Wir können unsere Patienten früher entlassen. Nach einem Kathetereingriff an der Aortenklappe (TAVI) bleiben sie im Durchschnitt vier Täge, nach minimalinvasiven Eingriffen mit der Herz-Lungen-Maschine sechs Nächte und nach offenen Operationen mit der Herz-Lungen-Maschine acht Nächte.“