Der Königsweg zum Kunstgelenk

von Redaktion

OP mit dem Robotersystem Mako: Prof. von Eisenhart-Rothe setzt eine Knieprothese ein. © Foto: K. Czoppelt/TUM

Schmerzen und Bewegungseinschränkungen: Viele Arthrosepatienten leiden über viele Monate und Jahre. © Fotos: Alamy Stock Photos, TUM Klinikum

München – Wenn es um die Klinikwahl ging, galt früher: Die meisten Patienten fragten dort nach einem Termin, wo sie ihr Hausarzt hinschickte. Heute läuft es oft anders – gerade bei geplanten Eingriffen wie einer Gelenkersatz-OP. Viele Patienten suchen sich gezielt einen Operateur aus und schauen sich mitunter auch mehrere an, bevor sie sich für einen entscheiden. „Ich kann das verstehen, schließlich steht für die Menschen viel auf dem Spiel – nämlich Gesundheit und Lebensqualität. Ein Patient hat mal zu mir gesagt: Für Sie ist es nur eine OP, aber für mich geht es um mein weiteres Leben“, weiß Professor Rüdiger von Eisenhart-Rothe, Orthopädie-Chef und Leiter des Endoprothesenzentrums im TUM Klinikum Rechts der Isar. „Eine Zweitmeinung kann sinnvoll sein. Das Wichtigste ist aber: Wenn man sich für einen Operateur entschieden hat, dann sollte man sich an seine Empfehlungen halten und nicht verschiedene Behandlungsempfehlungen vermischen. Wenn man sich zu viele Meinungen einholt, ist man hinterher manchmal nicht unbedingt schlauer, sondern eher verunsichert.“ Einige Anhaltspunkte für die Arztwahl:

Zeitpunkt der OP: Eine Gelenkersatz-OP ist in den allermeisten Fällen ein geplanter Eingriff, man sollte sich also nicht dazu drängen lassen – auch dann nicht, wenn sich auf Röntgen- und MRT-Bildern endgradige Knorpelschäden zeigen. „Allerdings bringt es auch nichts, zu lange mit der OP zu warten – wenn die Indikation klar feststeht und konservative Maßnahmen nicht mehr weiterhelfen. Eine Folge kann unter anderem sein, dass die Muskulatur weiter abbaut und es später nach dem Eingriff viel länger dauert, bis man wieder auf die Beine kommt“, erläutert von Eisenhart-Rothe.

Entscheidend sei der individuelle Leidensdruck. Das bedeutet konkret: Wenn man im Alltag und auch nachts im Ruhezustand gar nicht mehr ohne Schmerzmittel zurechtkommt und der Bewegungsradius immer kleiner wird, man seine Hobbys nicht mehr ausüben kann, dann sei Zögern wenig sinnvoll. „Man sollte sich von der Angst vor einer OP nicht lähmen lassen. Über 90 Prozent der Hüftpatienten und über 80 Prozent der Kniepatienten sind mit ihrem Kunstgelenk sehr zufrieden.“

Operateur und Klinik: Erfahrung und Routine erhöhen die Erfolgschancen. Deshalb sollte ein Gelenkersatz-Operateur mindestens 100 Eingriffe per anno über mehrere Jahre federführend gemacht haben und nach wie vor jedes Jahr mindestens 100 Prothesenimplantationen vornehmen. „Man sollte sich trauen, diese Punkte direkt abzufragen. Ein souveräner Arzt wird damit kein Problem haben“, sagt von Eisenhart-Rothe. Man kann auch auf der Website www.endocert.de recherchieren: Viele Ärzte und Kliniken lassen sich als Gelenkersatz-Spezialisten zertifizieren. Dazu müssen sie sich regelmäßigen Kontrollen stellen.

Sicherheit: Gelenkersatz-Patienten sind meist ältere Menschen, die auch an anderen Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzproblemen oder Nierenschwäche leiden. „Sie sind gut beraten, eine Klinik zu wählen, in der Spezialisten anderer Fachabteilungen wie Kardiologen oder Nephrologen schnell verfügbar sind. Auch die OP-Vorbereitung sollte gründlich sein.“ Gute Kliniken legen Wert darauf, das Risiko einer Protheseninfektion gering zu halten – es liegt bei erstmalig eingesetzten Kunstgelenken zwischen einem und 2,5 Prozent. Eine Maßnahme ist die präoperative Dekolonisation. „Der Patient bekommt am Tag vor der OP einen speziellen Waschlappen, um zu verhindern, dass später Keime von der Haut in die OP-Wunde gelangen“, erklärt von Eisenhart-Rothe. Hintergrund: Wenn man sich einen Protheseninfekt einhandelt, muss man meist erneut operiert werden – teils mehrfach. Sie können auch selbst etwas tun, um das Komplikationsrisiko zu senken: mindestens vier Wochen vor der OP mit dem Rauchen aufhören und bei Übergewicht abnehmen. Schon fünf Kilo bringen einen Vorteil.

Artikel 3 von 7