Drei Lungen in 24 Stunden transplantiert

von Redaktion

Spektakuläre OP-Premiere im LMU Klinikum: Alle Patienten erholen sich gut

Kraftakt eines eingespielten Teams: eine Lungentransplantation im LMU Klinikum. © Foto: C. Schneider

München – Spezialisten des LMU Klinikums ist eine spektakuläre OP-Premiere gelungen: Erstmals in der Geschichte von Deutschlands zweitgrößtem Universitätskrankenhaus pflanzten sie gleich drei Patienten innerhalb von nur 24 Stunden eine Spenderlunge ein.

Zuvor waren Münchner Ärzteteams in verschiedene Orte in Europa geflogen, um dort die Organe bei den kurz zuvor Verstorbenen zu entnehmen. „Dazu bleiben nach dem Tod des Spenders nur etwa sechs Stunden Zeit“, erläutert Dr. Jürgen Barton, pneumologischer Leiter des Zentrums für Lungentransplantationen im LMU Klinikum. „Alle drei Eingriffe mussten in einem sehr engen Zeitfenster erfolgen. Das war ein echter Kraftakt für alle Beteiligten – vor allem, da diese Operationen zum normalen OP-Programm als Notfalleingriffe durchgeführt werden. Zudem müssen in kürzester Zeit freie Intensivbetten geschaffen werden, das kann nur durch hohen personellen Einsatz und die gute Koordination des Leiters der anästhesiologischen Intensivstationen, Dr. Stefan Stern-Straeter, gelingen.“

Der Einsatz der Münchner Mediziner zahlte sich aus: Alle drei Patienten – zwei Männer (59 und 65) sowie eine Frau (63) haben ihre OP gut überstanden und konnten auf die Normalstation verlegt werden. Für die Patienten ist die neue Lunge ein Segen. „Sie standen wegen Diagnosen wie schwerer COPD und Lungenfibrose weit oben auf der Warteliste für ein Spenderorgan“, weiß Barton.

In München warten etwa 90 weitere Schwerkranke auf eine neue Lunge. Statistisch gesehen dauert es in München von der Anmeldung bis zur OP 311 Tage. „Die individuelle Wartezeit ist unterschiedlich. Sie hängt unter anderem davon ab, ob Größe und Gewicht von Spender und Empfänger passen und ob ihre Blutgruppe übereinstimmt“, erklärt Barton. Dass wie im Falle der jüngsten Dreifach-Transplantation in kurzer Zeit so viele Kriterien erfüllt waren, sei höchst selten.

„Die erste Transplantation erfolgte am 15. Juli um 8.50 Uhr, die zweite um 15 Uhr. Die dritte OP begann um 2 Uhr nachts. Die Eingriffe dauerten zwischen etwa vier und acht Stunden. Alle Eingriffe sind komplikationslos verlaufen“, berichtet Professor Christian Schneider, chirurgischer Leiter Lungentransplantation am LMU Klinikum.

Mit seinen Kollegen transplantiert Toraxchirurg Schneider jährlich etwa 70 bis 80 Lungen, deutschlandweit werden circa 300 verpflanzt. München ist das zweitgrößte Zentrum nach Hannover und vor Essen. 72 Prozent der in München operierten Patienten sind fünf Jahre nach dem Eingriff noch am Leben.ANDREAS BEEZ

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