Im Labor werden die einzelnen Blutproben, die meist in einem Röhrchen ankommnen, untersucht.
Blutentnahme beim Arzt: Diese ist nötig, um den Lipoprotein(a)-Wert zu bestimmen. In der Regel reicht der Test einmal im Leben, da der Wert im Blut genetisch festgelegt ist. © smarterpix (2), LMU Klinikum
München – Rund 20 bis 30 Prozent aller Menschen haben zu hohe Lipoprotein(a)-Werte, schätzen Experten. Lipoprotein(a) ist ein Bestandteil des Blutes. „Es ist wie das ,schlechte‘ LDL-Cholesterin aufgebaut“, sagt Anja Vogt, Leiterin der Lipidambulanz am LMU Klinikum in München. Der Unterschied: Zusätzlich ist daran noch ein Eiweiß gebunden, das Apolipoprotein(a). Das wird durch die Klammer-Schreibweise angezeigt, um Verwechslungen mit dem gesunden HDL-Cholesterin bzw. dessen Eiweiß Apo A zu vermeiden. Vergleichen lassen sich Lipoproteine demzufolge mit „Lasttaxis“, die Fett und fettähnliche Substanzen im Blut transportieren.
Genetische Ursachen: Wie viel Lipoprotein(a) im Blut unterwegs ist, ist genetisch bedingt. Ernährung oder Bewegung können den Wert nicht beeinflussen. „Wahrscheinlich hatte Lipoprotein(a) einst eine physiologische Rolle, brachte vielleicht sogar einen evolutionären Vorteil, heute allerdings hat es keinen bekannten Nutzen“, erklärt Anja Vogt. Im Gegenteil: Ein hoher Lipoprotein(a)-Wert ist keine gute Nachricht, denn der ist ein Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen.
Herzinfarkt und Schlaganfall: „Zirkuliert zu viel Lipoprotein(a) im Blut, wird es genauso wie LDL-Cholesterin in die Arterienwände eingelagert. Kommen noch weitere Risikofaktoren dazu, wie beispielsweise Rauchen, verstärkt sich dieser Effekt“, sagt Anja Vogt. Folge dieser Ablagerungen in den Blutgefäßen ist ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und auch für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), also für Durchblutungsstörungen in den Beinen. „Letztlich kann jede Arterie davon betroffen sein, zum Beispiel in der Niere, oder auch die Aortenklappe“, weiß die Fachärztin für Innere Medizin und stellvertretende Vorsitzende der DGFL – Lipid-Liga.
Gefahr durch Gerinnsel: Lipoprotein(a) wirkt zudem entzündungsfördernd. Und: „Bei einem höheren Wert bilden sich schneller Gerinnsel und lösen sich langsamer auf“, sagt Norbert Smetak, erster Vizepräsident des Berufsverbands Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI). Die Krankheitsverläufe sind allerdings sehr unterschiedlich, wie es von der Deutschen Herzstiftung heißt. Manche Menschen mit erhöhten Lipoprotein(a)-Werten erleiden schon in vergleichsweise jungen Jahren Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Andere bleiben lange ohne Beschwerden.
Die Untersuchung: Um den Lipoprotein(a)-Wert zu bestimmen, entnimmt der Arzt eine kleine Menge Blut. Die Probe wird, meist in einem Röhrchen, danach an ein Fachlabor geschickt und analysiert.
Auswertung: Norbert Smetak gibt einen Überblick: Der sogenannte Normalwert liegt bei 30 mg pro Deziliter (mg/dl) oder 75 Nanomol pro Liter (nmol/l). Bei 30–50 mg/dl oder 75–105 nmol/l ist das Risiko moderat, darüber gehört man bereits zur Risikogruppe. Von einem sehr hohen Risiko sprechen Mediziner ab 180 mg/dl oder ab 430 nmol/l. Der Internist erklärt: „Je höher der Wert, desto höher das Risiko.“
Allerdings spielen auch noch andere Blutwerte und der Gesundheitszustand an sich eine Rolle. „Vor allem in Kombination mit einem hohen LDL-Cholesterinwert oder Bluthochdruck erhöht sich die Chance auf beispielsweise einen Herzinfarkt“, sagt Smetak. Für eine gute Risikoeinschätzung braucht es also den Blick aufs große Ganze – nicht nur auf das Lipoprotein(a).
Was die Krankenkasse zahlt: Das hängt vom Einzelfall und dem medizinischen Hintergrund ab. Oft aber übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten – zum Beispiel dann, wenn es in der Familie bereits Herzinfarkte, Schlaganfälle und Co. gegeben hat. In anderen Fällen muss der Test selbst bezahlt werden. Die Kosten liegen, je nach Labor, meist unter 25 Euro. Am besten bespricht man die Kostenfrage vorab mit dem behandelnden Arzt.
Ist eine Kontrolle nötig? Ein Test reicht in aller Regel aus. „Da die Größe des Lipoproteinpartikels mehrheitlich genetisch bedingt ist, muss man ihn in der Regel nur einmal im Leben bestimmen lassen. So empfehlen es auch die Leitlinien“ sagt Anja Vogt.
Ein hoher Wert: Gerade bei einem erhöhten Lipoprotein(a)-Wert lohnt es sich, die Lebensführung anzupassen. „Gesunde Ernährung, Verzicht auf Tabak und Alkohol, viel Bewegung und Muskeltraining sowie ein gesundes Körpergewicht verringern die Relevanz des Wertes enorm“, erklärt Anja Vogt.
Behandlungsmöglichkeiten: Zurzeit gibt es noch kaum Möglichkeiten, den Lipoprotein(a)-Spiegel signifikant zu senken, sieht man von der Möglichkeit einer Lipidapherese ab. Das ist eine Art Blutwäsche, die aber nur in Extremfällen angewandt wird, da sie sehr aufwendig ist. Ist auch der LDL-Cholesterinwert erhöht, kommen Statine zum Einsatz, die diesen Wert – und damit auch das Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – senken.
Ausblick: Es gibt Hoffnung auf neue medikamentöse Methoden, so Norbert Smetak: „Medikamente, die gezielt Lipoprotein(a) senken können, befinden sich in der letzten Phase klinischer Studien.“