Hochauflösende Darstellungen des Gehirns durch den NeuroLF: Spezialisten bei der Auswertung.
Ein schmerzfreier Scan: Das haubenartige Hightech-Gerät NeuroLF ist speziell für die Diagnostik von Hirnerkrankungen konzipiert und steht in Großhadern. © LMU Klinikum (3)
München – Was aussieht wie einst ein Friseurstuhl mit Trockenhaube, ist ein hochmodernes Hightech-Gerät, das in der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin in Großhadern steht: der neue Scanner NeuroLF. Das Gerät spielt eine wichtige Rolle bei der Identifikation von Patienten für eine Amyloid-Antikörper-Therapie. Diese kommt für Betroffene mit einer leichten kognitiven Einschränkung oder leichten Demenz im Rahmen einer Alzheimer-Erkrankung infrage.
Einer der etwa 20 Betroffenen, die die neue Behandlung im vergangenen halben Jahr in Großhadern nutzen konnten, ist Diplom-Ingenieur Werner Schwarz (Name geändert). Kaum in Rente, hatten ihn Wortfindungsstörungen geplagt. „Ich habe auch beim Einkaufen Sachen vergessen, konnte mich schlechter konzentrieren als früher“, erzählt der heute 71-Jährige aus dem Münchner Umland. Da bereits seine Mutter an Demenz erkrankt war, stand für Schwarz und seine Frau fest: „Wir müssen schnell handeln.“ Der Hausarzt überwies ihn an eine Neurologin, die eine Alzheimer-Erkrankung diagnostizierte. Durch die Gedächtnissprechstunde am LMU Klinikum erfuhr das Ehepaar von der neuen Amyloid-Antikörper-Therapie.
Beta-Amyloid ist ein körpereigenes Eiweiß, das sich bei Alzheimer im Gehirn ablagert (Plaques) und weitere Krankheitsprozesse einleitet, die letztlich zum Untergang von Nervenzellen führen. „Moderne Medikamente, die Amyloid-Antikörper, richten sich gegen diese krankhaften Eiweißablagerungen. Ziel ist es, die Amyloid-Belastung im Gehirn zu reduzieren“, sagt Privat-Dozentin Dr. Sonja Schönecker von der Neurologischen Klinik und Poliklinik.
Vor der Therapie muss die Amyloid-Pathologie mittels Nervenwasseruntersuchung oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET) nachgewiesen werden. Der Hirn-Scan ist dank des neuen NeuroLF ohne die klassische, enge Liegeröhre möglich. Das LMU Klinikum setzt ihn als eines von wenigen Zentren deutschlandweit ein. „Er ist ideal geeignet für die Diagnose von Hirntumoren und Epilepsie als auch neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer“, berichtet Nuklearmediziner Prof. Brendel.
Ist die Amyloid-PET positiv und sind weitere Tests absolviert, kann die Amyloid-Antikörper-Therapie beginnen. Dafür erhalten die Patienten eine Infusion, die je nach Medikament alle zwei Wochen (Lecanemab) oder alle vier Wochen (Donanemab) verabreicht wird. Werner Schwarz hat die dritte Infusion hinter sich. Von möglichen Nebenwirkungen blieb er verschont: „Ich habe alles gut vertragen.“
Für maximal eineinhalb Jahre erhält er nun die Infusionen und wird regelmäßig überwacht. Nach zwölf Monaten soll eine Untersuchung zeigen, ob bereits ausreichend Amyloid-Protein entfernt wurde. Stellt der NeuroLF-Scan dies fest, könnte die Therapie vorzeitig enden. „Durch diesen Amyloid-PET-Scan können Behandlungsdauer und -kosten für die Patienten und das Gesundheitssystem eingespart werden“, so Prof. Rudolf Werner, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin. Um die Kostenfrage zu klären, sollte man bei der Krankenkasse nachfragen.
Werner Schwarz und seine Frau Maria sind sehr froh über die neue Therapie am LMU Klinikum. „Wir lassen uns trotz der Alzheimererkrankung nicht den Lebensmut nehmen, wir gehen jeden Tag gemeinsam spazieren und verbringen auch viel Zeit mit unseren Enkelkindern.“ Auch Dr. Sonja Schönecker, Leiterin der Ambulanz für Alzheimer-Anti-Amyloid-Therapien, findet: „Die neuesten Entwicklungen stellen einen wichtigen Fortschritt dar.“ Die Amyloid-Antikörper könnten die Alzheimererkrankung zwar nicht heilen. „Aber in einem frühen Krankheitsstadium können sie den weiteren Verlauf um etwa ein Drittel verlangsamen.“