Das Leid der Straßenhunde in der Türkei

von Redaktion

Neues Gesetz verpflichtet alle Kommunen, Streuner einzufangen – Tierheime sind schon überfüllt

Ein Streuner in einem türkischen Tierheim. © Datça Dogs

Heftige Proteste begleiteten die Einführung des Gesetzes vor zwei Jahren. © Tolga Ildun/dpa

Istanbul – Seit zwei Jahren werden die Straßenhunde in der Türkei eingefangen und in staatliche Tierheime gebracht. Bis 2028 sollen alle Streuner verschwunden sein. Die Gemeinden müssen sonst mit hohen Bußgeldern von bis zu 2000 Euro für jeden Hund rechnen. Doch für vermutlich vier Millionen Tiere gibt es nur 110.000 Heimplätze. Die Einrichtungen sind schon jetzt überfüllt, die Kapazitäten zur Versorgung der Tiere reichen nicht aus. Das berichtet der Verein Datça Dogs, eine Partnerorganisation des Deutschen Tierschutzbundes.

„Bereits vor zwei Jahren haben wir davor gewarnt, dass die Masseneinsammlung von Straßenhunden das Problem nicht löst, sondern Leid nur von den Straßen in überfüllte Tierheime verlagert. Die aktuellen Berichte aus Datça zeigen beispielhaft, wohin eine Politik führt, die frei laufende Hunde nicht kastrieren lässt, sondern Straßenhunde lediglich einsammelt und wegsperrt“, sagt Lisa Hoth-Zimak, Fachreferentin beim Deutschen Tierschutzbund. „Die Hunde verschwinden zwar aus dem öffentlichen Raum, doch das Problem der unkontrollierten Vermehrung wird dadurch nicht gelöst.“

Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich für ein tierschutzgerechtes Management in der Türkei ein, zu dem die Kastration der Straßenhunde sowie die Aufklärung der Bevölkerung gehört. Hundebesitzer sollen dazu aufgerufen werden, auch ihre Tiere kastrieren zu lassen. Doch mehrfache Appelle des Verbandes für eine tierfreundliche Lösung blieben bislang ohne Resonanz. Um den Druck auf die Politik weiter zu erhöhen, rät der Deutsche Tierschutzbund aktuell von Reisen in die Türkei ab.

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