Faszinierend: Wenn Arten fremdgehen

von Redaktion

Das Cama wurde im Reagenzglas gezüchtet. © Wikipedia

Zinkey ist ein Esel-Zebra-Hybride. © kyodo news

Hellbrauner Cappuccino-Bär in Osnabrück. Rundes Bild: Coywölfe, Mischung aus Kojote und Wolf. © Imago, Wikip./Mech

Löwen leben in Afrika und Tiger in Asien – in der Natur treffen sie nie aufeinander. Diese Liger-Drillinge haben einen Löwen zum Vater und eine Tigerin zur Mutter und kamen im chinesischen Haikou zur Welt. © Imago

München/Osnabrück – Auf den ersten Blick fällt meist gar nichts Besonderes auf, doch schaut man genauer hin, entdeckt man bei den Löwenbabys kleine Tigerstreifen, beim Eselfohlen gestreifte Beinchen oder das außergewöhnlich helle Braun vom Fell des Bären. Es sind hybride Nachkommen – Vater und Mutter sind artfremdgegangen. Es handelt sich eben nicht um Löwen, Esel und Braunbären, sondern um Liger, Zesel und Grolar! Hybriden aus Löwe und Tiger, Zebra und Esel oder Braunbär (meist Grizzly) und Eisbär (Polarbär). Ein kleiner Einblick in die Welt der wilden Mischlinge.

In der Biologie gilt grundsätzlich der Satz: Was sich paart, gehört zu einer Art. Doch häufig können sich auch artverwandte Tiere erfolgreich fortpflanzen. Die Nachkommen jedoch sind meist steril, bleiben also selbst ohne Nachkommen. In der Wildnis kommt es relativ selten zu solchen Hybriden. Einzelne Nachweise von Wolfshybriden, also Mischlingen von Hund und Wolf, gibt es immer mal wieder aus Deutschland, so wurden fünf Welpen in Thüringen nachgewiesen, bis Ende 2022 wurden drei dieser Tiere getötet. Über den Verbleib der beiden anderen ist nichts bekannt. Damit soll der Genpool der geschützten Wildtiere bewahrt werden. Wolfshybride sind zudem weniger scheu gegenüber Menschen und es besteht die Gefahr von Konfliktsituationen. Bekannt aus der Wildnis sind auch Verpaarungen von Wölfen mit Coyoten, das Ergebnis wird Coywolf genannt.

Häufiger jedoch entstehen Hybriden in menschlicher Obhut, versehentlich oder mit Absicht. Die Savannah-Katze z. B. ist eine Mischung aus Hauskatze und afrikanischem Serval. Der Deutsche Tierschutzbund stuft sie als Qualzucht ein, überhaupt nicht für eine Haltung beim Menschen geeignet. Erst ab der vierten Generation ist es überhaupt erlaubt, sie ohne Genehmigung zu halten und ihr Freilauf zu gönnen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Amerikanische Bison gezielt in Hausrindrassen eingekreuzt. Der Beefalo soll besonders widerstandsfähig und pflegeleicht sein. Mittlerweile wird das Tier als eigene Rasse anerkannt. Ein Cama ist ein Jungtier, das ein Kamel zum Vater und ein Lama zur Mutter hat. Das erste Tier namens Rama wurde im Camel Reproduction Centre in Dubai im Januar 1998 durch künstliche Befruchtung geboren. Da Kamele und Lamas Millionen Jahre der Evolution trennen, ist diese Kreuzung nur im Labor möglich. Ein Cama hat keinen Höcker, besitzt aber den längeren Schwanz und die gespaltenen Hufe eines Kamels. Ziel war ein Tier, das mehr Wolle produziert als ein ein Lama und so widerstandsfähig und stark ist wie ein Kamel.

Neben gezielten Züchtungen kommt es aber auch immer wieder zu Fortpflanzungsunfällen. So sollten in einem japanischen Safaripark die Zebras nicht alleine auf ihrem Gelände stehen, und die Tierpfleger vergesellschafteten die Herde mit Eseln. Das hatte zuckersüße Folgen: Kürzlich wurde Zinkey geboren, die Mutter Esel, der Vater ein Zebra. Die Liaison hatte im Geheimen stattgefunden, daher war die Geburt des kleinen Zinkey nun eine große Überraschung. Esel haben 62 Chromosomen, Zebras je nach Art meist zwischen 32 und 46 – daher wird Zinkey nie eigenen Nachwuchs haben.

Im chinesischen Tropical Wildlife Park von Haikou wurden dagegen seit 2004 Liger gezielt gezüchtet, indem ein Löwe und ein weiblicher Tiger zusammen gehalten wurden. Der ungewöhnliche Nachwuchs führte zu einem höheren Besucheraufkommen.

Im Zoo Osnabrück teilten sich ein Eisbär und eine Braunbärin das Gehege. Das Ergebnis waren die sogenannten Cappuccino-Zwillinge bzw. Grolar-Bären Tips und Taps. Tragisch: Bärin Tips brach 2017 aus, bedrohte einen Pfleger und wurde daher erschossen. In der Wildnis werden schon solche Bären-Mischlinge immer häufiger gesehen, in Zeiten des Klimawandels wandern Grizzlys immer häufiger gen Norden in den Lebensraum der Eisbären.

Unwissentlich wurden in Zoos lange Zeit Hybriden gezüchtet, weil man z.B. davon ausging, dass Borneo- und Sumatra-Orang-Utans identisch sind. Ähnliches geschah bei Orcas, Giraffen, Tigern oder Schimpansen. Diese Tiere kommen für Arterhaltungsprojekte oder Auswilderungen nicht in Betracht, da sie den wilden Genpool durcheinanderbringen.

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