Das geheime Katzenleben

von Redaktion

Internationale Studie: 1000 Samtpfoten mit Sendern rund um die Uhr verfolgt

Nachts sind die Sinne der Katzen hellwach: In Deutschland sind die Hauskatzen besonders aktiv. Tracker am Halsband (rundes Bild) können die geheimen Wege aufzeichnen. © Mauritius, Weenect

Berlin/Paris – Nach Schätzungen von Tier- und Umweltschutzorganisationen streunen acht Millionen der 15,7 Millionen Katzen Nacht für Nacht durch ihr Revier. Was sie dabei treiben, welche Strecken sie zurücklegen – darüber können ihre Besitzer nur spekulieren. Um Licht ins geheime Nachtleben der Katzen zu bringen, wurden nun 1000 Samtpfoten in zehn Ländern mit GPS-Trackern ausgestattet. In die Auswertung flossen 24.000 Aufzeichnungen ein. Voraussetzung war, dass durchgehend vier Wochen lang Trackingdaten zur Verfügung standen. Die Studie wurde vom Tracker-Hersteller Weenect finanziert.

Von wegen „Nachts sind alle Katzen grau“! Die Auswertung nach Ländern und Kastrationsstatus sowie Geschlecht zeigte deutliche Unterschiede. Deutschland, Österreich und die Schweiz grenzen aneinander, aber ihre Katzen könnten kaum unterschiedlicher unterwegs sein. Katzen in Deutschland haben mit median 27.955 m² das mit Abstand größte Revier der gesamten Studie, fast doppelt so groß wie der europäische Durchschnitt von rund 14.900 m². Unsere Haustiger sind mit 3,1 Ausflügen pro Tag auch am entdeckungsfreudigsten. Die Schweiz liegt bei der täglichen Strecke ganz vorn: Mit median 1275 m legen Schweizer Katzen mehr Weg zurück als die Katzen jedes anderen der zehn Länder – knapp vor Deutschland (1263 m). Österreich bildet das ruhige Gegenstück: Mit 62,9 Prozent nachtaktiven Katzen ist es das Land mit der geringsten nächtlichen Aktivität der gesamten Studie.

Nachts erwacht in den Katzen der innere Jäger: Die Tiere schleichen durch Büsche und Gras, alle Sinne sind aufs äußerste geschärft. Jedes Rascheln, jede Bewegung wird von den Katzen registriert und aufmerksam beobachtet. Ihnen reicht sehr wenig Restlicht, um exzellent zu sehen. Ihre Pupillen können sich extrem weit öffnen, und eine spezielle Spiegelschicht hinter der Netzhaut wirft das einfallende Licht zurück. Auch ihr Gehör ist sehr fein. Ohne den ganzen Tageslärm können sie ungestört schleichende Beutetiere wie Mäuse im Gras orten. Luftströmungen und Vibrationen nehmen sie mit den langen Schnurrhaaren und den Barthaaren an den Beinen wahr. Nachts gehört die Welt ihnen und das nutzen viele Katzen ausgiebig aus.

Eine allgemeine Annahme wurde widerlegt: Unkastrierte Kater legen nur rund zehn Prozent mehr Strecke zurück als kastrierte Kater – ein deutlich geringerer Unterschied, als es der Ruf des angeblich faulen kastrierten Katers vermuten lässt. Das Geschlecht hat über alle Länder hinweg einen weitaus stärkeren Effekt: Kastrierte Kater laufen rund 59 Prozent weiter als kastrierte Kätzinnen und gehen fast doppelt so oft nach draußen. Eine typische Kätzin beansprucht ein Revier von rund 10.700 m² – etwa anderthalb Fußballfelder. Ein typischer Kater kommt auf rund 20.000 m² – fast das Doppelte. Er geht außerdem häufiger nach draußen (etwa zweimal pro Tag gegenüber 1,2) und verbringt mehr Nächte im Freien. Beide kehren zuverlässig heim – er nimmt nur den längeren Weg. Was auch damit zusammenhängt, dass er vielleicht hofft, noch eine Partnerin zu treffen.

Dass Katzen auch gern eine ruhige Kugel schieben, beweisen die Spanier: Mit nur 547 m Tagesstrecke und einem Ausflug pro Tag zeigen spanische Katzen das bewegungsärmste Profil aller untersuchten Länder. Sie sind in ihrer Mentalität doch näher dran an der nachmittäglichen Siesta als an einer nächtlichen Streiftour rund um die Häuser, wie sie für ihre deutschen und Schweizer Artgenossen typisch ist.

Artikel 4 von 10