Schüler im Stress: „Kein Kind entscheidet sich morgens bewusst dafür, heute unkonzentriert zu sein oder Angst vor der Schule zu haben“, sagt Sonja Ilitz. © Smarterpix, A. von Hafenbrädl
Der Schulranzen ist gepackt, die Hefte sind gekauft – doch ist auch das Kind bereit für den Schulstart? Gerade nach den langen Sommerferien fällt die Rückkehr zu festen Zeiten, Leistungsdruck und konzentriertem Lernen vielen Schülern schwer. Dabei lässt sich schon vor dem ersten Schultag einiges tun. „Ein entspannter Schulstart nach den Ferien beginnt nicht am ersten Schultag, sondern bereits gegen Ende der Ferien – im Kopf und im Körper des Kindes“, sagt Sonja Ilitz. Die Heilpraktikerin verfügt über mehr als 20 Jahre Praxiserfahrung und hat sich auf Kinder und Jugendliche mit ADHS, Schulstress, Schulangst und Konzentrationsstörungen spezialisiert. Sie gilt zudem als eine der führenden Expertinnen für die Stoffwechselstörung HPU bei Kindern.
Ihr Wissen hat Ilitz im Buch „Jedes Kind kann strahlen – Wege aus HPU, ADHS, Hypersensibilität, Schulangst und Konzentrationsstörungen“ zusammengefasst, das im Goldverlag erschienen ist. Für unsere Leser hat Sonja Ilitz zehn praktische Tipps zusammengestellt, mit denen Eltern ihr Kind noch in den Ferien auf einen möglichst entspannten Schulstart vorbereiten und ihm helfen können, im Alltag besser mit Stress umzugehen. Denn hinter Unruhe, Ängsten oder mangelnder Konzentration steckt nicht immer fehlende Motivation: „Kein Kind entscheidet sich morgens bewusst dafür, heute unkonzentriert zu sein oder Angst vor der Schule zu haben.“
Rechtzeitig zum Schulrhythmus zurückkehren: Spätestens ein bis zwei Wochen vor Schulbeginn sollten Eltern Schlafens- und Aufstehzeiten schrittweise nach vorne verschieben, beispielsweise alle zwei bis drei Tage um 15 bis 30 Minuten.
Organisatorisches rechtzeitig erledigen: Etwa zwei Wochen vorher Schreibtisch und Schulranzen gemeinsam mit dem Kind aufräumen: Altes aussortieren, prüfen, was noch funktioniert, fehlendes Material anhand der Materialliste rechtzeitig einkaufen. „Das gibt dem Kind das Gefühl, selbst vorbereitet zu sein“, sagt Ilitz.
Bildschirmzeit schrittweise reduzieren: Die Mediennutzung Tag für Tag verringern, statt abrupt zu stoppen. Feste bildschirmfreie Zeiten am Abend einführen, mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen.
Tägliche Bewegung an der frischen Luft einplanen: Ab sofort mindestens 60 Minuten Bewegung draußen pro Tag, am besten vormittags. „Das reguliert den Cortisolspiegel, macht abends müder und wirkt sich direkt auf die Konzentrationsfähigkeit aus“, erklärt die Expertin.
Blutzucker über die Ernährung stabil halten: Schon in der letzten Ferienwoche auf regelmäßige Mahlzeiten mit Eiweiß und komplexen Kohlenhydraten umstellen, statt Zucker und Fertigprodukte. „Ein stabiler Blutzucker ist die Basis für Konzentration und ein ausgeglichenes Nervenkostüm“, betont Ilitz.
Sanft wieder ins Lernen und in die Konzentration finden: In den letzten Ferientagen kurze Merk- und Konzentrationsspiele einbauen, 10 bis 15 Minuten am Tag, spielerisch statt schulisch, und gleichzeitig offen aussprechen: „Es ist okay, wenn der erste Tag zurück anstrengend ist.“ Das bringt das Gehirn sanft in Schwung und nimmt gleichzeitig Leistungsdruck raus, ohne Erwartungen aufzubauen.
Offen über Vorfreude und Sorgen sprechen: Etwa eine Woche vorher aktiv fragen: „Worauf freust du dich besonders?“ und „Was macht dir vielleicht Sorgen?“ Beides gleichwertig stehen lassen, zuhören statt bewerten oder sofort lösen wollen, und als Elternteil deutlich spürbar als Ansprechpartner da sein, auch wenn das Kind nicht sofort viel erzählt.
Hausaufgaben-Routine vorab festlegen: Vor dem Schulstart gemeinsam einen festen, aber kurzen Hausaufgaben-Zeitpunkt und Hausaufgaben-Ort bestimmen. Klarheit im Vorfeld verhindert täglichen Streit und Verhandlungen ab der ersten Schulwoche.
Tägliche Entspannungsminuten zur Gewohnheit machen: Ab jetzt jeden Tag fünf bis zehn Minuten aktive Entspannung einbauen, etwa Bauchatmung oder eine kurze Traumreise vor dem Schlafen. „Das muss zur festen Routine werden, bevor der Schulalltag beginnt, nicht erst als Reaktion auf Stress.“
Schulmorgen entspannt gestalten und die ersten Wochen im Blick behalten: Ab dem ersten Schultag nach den Ferien mindestens 15 Minuten mehr Zeit einplanen als nötig, kein Bildschirm vor der Schule, dafür ein ruhiger Moment wie ein gemeinsames Frühstück. Auch die ersten ein bis zwei Wochen danach bewusst im Blick behalten: genügend freie Zeit und Pufferphasen einplanen, statt den Nachmittag direkt wieder voll mit Terminen zu packen. Der Schulalltag bringt täglich viele neue Eindrücke, die erst verarbeitet werden müssen.SUSANNE HÖPPNER