Das Grübeln hat ein Ende. Nachdem Uli Hoeneß vor einer Woche erklärt hatte, der FC Bayern sei mit seinem neuen Sportchef einig, wurde nahezu jeder einmal durchs Dorf getrieben, der mal im Münchner Dress aufgelaufen ist. Von Babbel und Ballack über Fink und Linke bis hin zu . . . naja, Zobel und Zickler kamen nicht in Frage, aber eben doch ziemlich viele, denn: Eine echte Top-Lösung lag nicht auf der Hand, nachdem sich Philipp Lahm und Max Eberl schon früh sowie Oliver Kahn und Mark van Bommel erst kürzlich von der Liste streichen ließen. Mehmet Scholl zerstreute alle Gerüchte auf seine Art; er hockte gestern Mittag in einem Cafe, tiefenentspannt, mit einer Zeitung und in Sandalen. Das wäre selbst für ihn zu viel Chuzpe gewesen, wenn er wenig später zwischen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß auf dem Podium gesessen wäre, um in führender Position präsentiert zu werden.
Platz nahm nun Hasan Salihamidzic, Spitzname Brazzo, was übersetzt so viel wie Bürschchen heißt, womit viel über den neuen Mann ausgesagt ist. Mit dem 40-jährigen ehemaligen Publikumsliebling haben die Bayern in erster Linie ein Gesicht nominiert, ein sympathisches, das jeder mag, aber eben auch nur ein Gesicht. Denn bei aller Wertschätzung – im administrativen Bereich hat er bisher keine Erfahrungen vorzuweisen. Als langjähriger Bayern-Profi kennt er die Abläufe im Klub und weiß, wie die Spieler denken. Seine Stärke ist das Menschliche, Vermittelnde, das ihn als Bindeglied zwischen den Polen Klubführung/Trainerteam/Mannschaft qualifiziert, jedoch nicht als Sportmanager mit dem Blick für das große Ganze. Brazzo, ein Bürschchen bei den Bayern – viele werden lästern: Genau das haben die Bosse ja gesucht: Keinen weiteren Entscheider. Sondern vielmehr einen loyalen Mitarbeiter. Wie der neue Co-Trainer Willy Sagnol zählt auch der Bosnier zum Kreis der verdienten Ex-Profis, die seit jeher von Uli Hoeneß hoch geschätzt werden.
Stefan Effenberg sagte einmal über seinen ehemaligen Teamkollegen, er sei so umtriebig, man könne meinen, er lebe mit dem Finger in der Steckdose. Eine lebendige Frohnatur kann den Münchnern gewiss nicht schaden. Ob er sich aber auch die nötigen Manager-Qualitäten aneignen kann? Dass ihn in diesem Punkt zunächst Zweifel begleiten, müssen sich die Bayern und auch er bis auf Weiteres gefallen lassen. Nicht nur Ex-Kollege Scholl wird den Prozess verfolgen; tiefenentspannt in der Zeitung.