Personalchaos im Weißen Haus

Gegen das Establishment

von Redaktion

Die Gegner von Donald Trump reiben sich die Hände. Der streitbare Präsident feuert einen Mitarbeiter nach dem anderen – vom FBI-Chef bis zum Stabschef, der Sprecher warf selbst hin, der Nachfolger hielt nur zehn Tage durch: ein Beweis, dass im Weißen Haus das Chaos regiert, vor allem aber ein ebenso unberechenbarer wie beratungsresistenter Präsident, der auf keinem Politikfeld, das ihm wichtig erscheint, Fortschritte macht – egal ob Nordkorea, Einreisestopp oder Gesundheitsreform.

Die Diagnose ist nicht falsch. Allein: Freude wäre fehl am Platz. Besonders der geschasste Stabschef Reince Priebus galt eigentlich als Personalie, in die Trump-Skeptiker Hoffnung setzen müssten. Vermutlich war der langjährige Vorsitzende der Republikaner nur deshalb berufen worden, weil Trump vom eigenen Wahlsieg überrascht wurde und kein Personaltableau parat hatte. Priebus galt als Bindeglied des Trump-Clans zum Establishment – doch er konnte Scherben nicht so schnell kitten, wie der Washington-Hasser Trump via Twitter neues Porzellan zerschlug. Mit General John Kelly rückt ein Militär ins Weiße Haus, ein weiterer Outsider. Und mit Kommunikationschef Scaramucci geht in Rekordzeit ein Großmaul, das selbst Vorgänger Sean Spicer verblassen ließ. Keine Personalie verspricht eine Beruhigung. Eher das Gegenteil.

Mike Schier

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