Formel 1

Hamiltons schmerzhaftes Fairplay

von Redaktion

Mercedes und Ferrari definieren Teamarbeit in Budapest unterschiedlich – das könnte Folgen haben

VON Thomas Weitekamp

Budapest – Der Fluch der guten Tat bereitete Mercedes dann doch Bauchschmerzen. Ferrari-Star Sebastian Vettel war der strahlende Gewinner von Ungarn, Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton höchstens Sieger der Herzen – der Brite hatte zugunsten seines Teamkollegen auf drei wichtige WM-Punkte verzichtet. „So richtig glücklich bin ich nicht“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hinterher: „Das war vielleicht die schwierigste Entscheidung, die wir in den vergangenen fünf Jahren treffen mussten.“

Mercedes hatte sich entschieden, Wort zu halten. Und seine beiden Piloten weiterhin gleich zu behandeln. Mit Blick auf den Titelkampf könnte das folgenschwer sein, denn eines wird immer deutlicher: Silber und Rot definieren den Begriff „Team“ in diesem Jahr völlig unterschiedlich. Nach erfolglosen Angriffen auf das Ferrari-Duo Vettel und Kimi Räikkönen hatte Hamilton seinem Teamkollegen Valtteri Bottas auf der Zielgeraden des Hungarorings den dritten Platz zurückgegeben – weil Bottas ihn zuvor hatte ziehen lassen.

„Ich bin ein Mann, der zu seinem Wort steht, ein Teamplayer“, sagte Hamilton, der sich durchaus in dieser Rolle gefiel: „Ich hoffe, dass gute Taten belohnt werden.“ Es sei „eher eine Entscheidung des Herzens als des Verstandes“ gewesen. Durch diese geht Hamilton nun mit einem Rückstand von 14 Punkten auf Vettel in die Sommerpause der Formel 1. Viel interessanter und vielleicht viel entscheidender als dieser Abstand ist aber, dass Ferrari beim Doppelsieg von Ungarn mal wieder alles auf die Karte Vettel setzte. Und damit alles anders machte als Mercedes.

Vettel hatte erhebliche Probleme mit seiner Lenkung und war deshalb an der Spitze streckenweise viel langsamer unterwegs als die Verfolger. Logisch erschien in dieser Phase nur eine Entscheidung: Ferrari beordert den schnelleren Räikkönen an Vettel vorbei, um den Sieg der Scuderia nicht zu gefährden. Doch die Italiener verzichteten darauf. Vettel bremste so die Spitze ein, Hamilton kam immer näher an Räikkönen heran, aber eben nicht vorbei – und so wurde Ferrari für seine riskante Taktik belohnt.

Und gerade, weil Maranello schon die gesamte Saison über so eindeutig Vettel stützt, hätte wohl auch Mercedes sich einen Verzicht auf die faire Aktion zum Rennende ohne großen Aufschrei erlauben können. Es wäre zudem „naiv, zu sagen, dass wir diese Entscheidung sicher nie bereuen müssen“, sagte Wolff: „Wenn wir jetzt die WM knapp verlieren, werden alle sagen: Budapest ist der Grund. Und ich wäre der Erste, der sich ins Knie schießt.“

Dennoch sei dies der Ansatz, den man weiter verfolgen wolle, weil „wir auf diese Weise drei Weltmeistertitel gewonnen haben“. In der Tat hatte sich Mercedes ja stets Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben, als sich Hamilton drei Jahre lang ein Privatduell mit Nico Rosberg lieferte. Damals konnten die Silberpfeile es sich angesichts fehlender Konkurrenten allerdings auch erlauben.

In diesem Jahr ist Ferrari jedoch ein harter Gegner, der mit allen erlaubten Mitteln nach dem ersten Fahrertitel seit zehn Jahren strebt. Was diese Konstellation für die restlichen Rennen bedeutet, bleibt abzuwarten.

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