München – Carlo Ancelotti konnte entspannt zuschauen und zuhören, denn wenn vier Trainer nebeneinander sitzen und einer davon Jürgen Klopp ist, ist die Rolle des Alleinunterhalters eindeutig festgelegt. Dass der ehemalige Dortmunder Coach diesmal zum Audi Cup in Diensten des FC Liverpool angereist ist, machte auch ihn noch einen Deut lockerer als bei seinen letzten Besuchen in München. Und so trat Klopp gestern in allen Rollen auf.
Als technische Hilfskraft bei seinem Kollegen Diego Simeone von Atletico Madrid, der den Dolmetscher nicht hörte. Als Spaßvogel bei einem Hinweis auf seinen bis dato letzten Auftritt in der Allianz Arena („natürlich gewonnen“). Und als Trainer des heutigen Halbfinalgegners, der den FC Bayern über den grünen Klee lobte. „Es ist wichtig zu sehen, was geht gegen die Bayern. Gegen eines der besten Teams der Welt – egal, wie Carlo sie aufstellt.“
Für die Seele eines Trainers, der drei der letzten vier Vorbereitungsspiele verloren hat, sind solche Worte natürlich Balsam. Aber Ancelotti gab sich einen Tag nach dem ersten Training mit seinem gesamten Kader weiterhin unaufgeregt. Wichtig sei, versicherte der Italiener, dass man „aus seinen Fehlern lernt“. Er kenne den Fußball, er sei „nicht blind“, aber die Ergebnisse der Tests in China (2:3, 0:4, 3:2, 0:2) machen ihm „keine Sorgen“. Beim Audi Cup, den die Bayern 2009, 2013 und 2015 gewonnen haben, geht es vor heimischer Kulisse in der modernisierten Arena darum, sich einzuspielen für den Supercup, der am Samstag in Dortmund ansteht: „Da wird zum ersten Mal das Resultat zählen.“
Personell hat der 58-Jährige anders als in China so gut wie den gesamten Kader zur Verfügung. Lediglich die Einsätze von Manuel Neuer und Juan Bernat sind ausgeschlossen, Thiago, Arjen Robben, Franck Ribery und Jerome Boateng seien einsatzfähig. Nicht alle aber sollen bereits im Halbfinale spielen, sondern womöglich Optionen für die morgige Partie – Finale oder Spiel um Platz drei gegen Atletico Madrid oder den SSC Neapel – sein. Spielpraxis sei „wichtig vor unserem ersten Pflichtspiel“.
Ganz andere Intentionen – nämlich nicht unterzugehen – hat Neapels Trainer Maurizio Sarri. „Ich fühle mich wie ein Eindringling hier“, sagte der Coach des Turnier-Underdogs. Da lachten alle – ausnahmsweise nicht über Klopp. hlr