Tausend Schäden und ein Pechvogel

von Redaktion

Bilanz einer Gewitternacht: 40 000 Haushalte in Oberbayern stundenlang ohne Strom

München/Starnberg – Stromausfälle, umgestürzte Bäume, zerstörte Wintergärten und Autos – das Unwetter am Dienstagabend hat vor allem in der Region zwischen Ammer- und Starnberger See eine Schneise der Verwüstung gezogen.

Schlimm erwischte es den Herrschinger Ortsteil Widdersberg. Tornadoähnliche Windböen drehten riesige Bäume aus der Erde. Eine Buche, die in der Nachbarschaft wegen Umsturzgefahr schon seit einiger Zeit für Diskussionen sorgte, traf prompt das Haus einer Familie. Dicke Äste bohrten sich gegen 21 Uhr durch das Dach und landeten auf den Betten im Schlafzimmer. „Eine Stunde später wären wir vielleicht schon im Bett gewesen“, sagt Hausbewohnerin Gesine Dorschner. Nebenan beklagen Edeltraud und Wolfgang Weber zerschlagene Scheiben ihres Wintergartens. Dreifaches Pech hatte Dagmar Dzulko aus Feldafing, die am Dienstagabend in München weilte und wegen der S-Bahn-Störung eine Odyssee erlebte. Als sie mit viel Verspätung am Heimatbahnhof eintraf, musste sie fassungslos feststellen, dass eine morsche Kiefer ihren am Bahnhof geparkten Mercedes begraben hatte. Die Feuerwehr schob die Äste auf dem zerbeulten Auto beiseite. Fahrtüchtig war das Auto noch. Aber zuhause angekommen musste die 68-Jährige noch hinnehmen, dass ihr Keller voll Wasser gelaufen war.

Insgesamt 155 Einsätze zählte die Feuerwehr allein im Landkreis Starnberg. 70 Mal mussten die Einsatzkräfte wegen vollgelaufener Keller ausrücken, 59 mal wegen umgestürzter Bäume. „Die tatsächliche Zahl dürfte noch darüber liegen“, sagt Kreisbrandmeister Anton Graf, „da die Einsätze auch direkt bei den Feuerwehren gemeldet wurden und erst nachträglich erfasst werden“.

Der meiste Regen fiel zwischen Andechs und Starnberg, aber auch in Gilching hat es ordentlich geschüttet. An einer Messstelle in Rothenfeld bei Andechs wurden am Dienstagabend zwischen 20 und 22 Uhr fast 38 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen.

Alle Hände voll zu tun hatten die Techniker des Bayernwerks. In Oberbayern fiel zwischen 20.40 Uhr und kurz nach 23 Uhr an ganz unterschiedlichen Stellen der Strom aus, sowohl in Germering (Kreis Fürstenfeldbruck) als auch in Schrobenhausen, Wolnzach und in der Starnberger Region. Insgesamt 40 000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom, mal nur eine Viertelstunde, mal auch (wie in Andechs, Tutzing, Starnberg oder Pöcking) bis zu zwei Stunden lang. Die Ursache waren Blitzeinschläge in das Stromnetz, die zu Überspannungen und Kabeldefekten führten.

Auch am Chiemsee führten heftige Orkanböen zu Einsätzen. Gegen 21.30 Uhr am Dienstagabend löste der Deutsche Wetterdienst Sturmwarnung aus. Trotzdem hielten sich unvernünftige Wassersportler noch auf dem See auf. Bei Bernau kenterte ein Schlauchboot, drei Personen konnten sich unverletzt retten. Gegen 23 Uhr ortete das hochauflösende Radargerät des Polizeibootes bei hohem Wellengang und fast völliger Dunkelheit ein manövrierunfähiges Elektroboot östlich der Fraueninsel. Eine Frau und ein Mann konnten völlig durchnässt, aber unverletzt, gerettet werden. Wie sich herausstellte, war die Schraube ihres Boots abgerissen.  ike/grä/mdu/dw

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