München – Schon vor einem Monat hat sich Gerhard Mey, Gesellschafter beim Automobilzulieferer Webasto, seine Bereitschaft erklärt, als Investor beim Regionalligisten TSV 1860 aktiv zu werden. Nun legte der als öffentlichkeitsscheu geltende Gautinger mit einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ nach und kündigte u. a. an: „In aller Deutlichkeit: Wir bauen ein Stadion für 1860.“ Zu den sportlichen Zielen sagte der 61-Jährige: „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir die Meisterschaft von 1966 wiederholen können.“ Fragen und Antworten zu der Person, die zur Schlüsselfigur für die Zukunft des TSV 1860 werden könnte.
-Wie reich ist Gerhard Mey?
In der Liste der 500 reichsten Deutschen wurde er 2016 an auf Rang 202 geführt – mit einem Vermögen von 600 Millionen Euro. Zählt man den Wert der Unternehmen hinzu, die ihm ganz oder teilweise gehören, gehört Mey sicher der Liga der Milliardäre an.
-Wie ernst ist es Mey mit der Rettung des TSV 1860?
Seine jüngste Aussage zum Einstieg beim Regionalligsten als Investor lautet: „Mein Entschluss steht fest: Ich mach’ das auf jeden Fall.“ Zudem sagte er: „Ich habe viel Erfahrung damit gemacht, Firmen zu sanieren. Und genau das möchte ich jetzt auch bei 1860 machen.“
-Wie gut kennt Mey den derzeitgen Hauptanteilseigner Hasan Ismaik?
Gar nicht. Die beiden haben persönlich noch nicht miteinander gesprochen. Laut Mey sei aber „ein richtiges Männergespräch“ in Vorbereitung.
-Wie könnte Ismaik zum Verkauf seiner 1860-Anteile an Mey bewegt werden?
Man könne vom Jordanier keine Geschenk erwarten, sagt Mey. Es müsse bei einer eventuellen Übernahme von dessen Anteilen eine Win-win-Situation erarbeitet werden. Beispielsweise in Form von sogenannten „Besserungsscheinen“. Hierbei erhält der Verkäufer von Anteilen Geld, sobald speziell formulierte Meilensteine (beispielsweise ein Aufstieg in eine höhere Liga) erreicht werden. Denkbar ist auch, dass Mey über einen Kapitalschnitt samt Kapitalerhöhung zum Mehrheitsanteilseigner wird. Auch hier wäre das Einverständnis von Ismaik Grundvoraussetzung. Zudem merkte der Unternehmer an: „Es gibt auch immaterielle Dinge, die man Ismaik zukommen lassen kann. Eine Würdigung seiner Verdienste beispielsweise.“
-Welches Projekt hätte für Mey als Investor Priorität?
„Der Stadionbau überwölbt alles und ist für den funktionierenden Business-Case 1860 unvermeidbar.“ München vertrage zwei hochklassige Klubs und zwei moderne Stadien.
-Wäre das Olympiastadion eine Alternative?
Mey hält es für ein „architektonisches Meisterstück, das aber nie einen emotionalen, lauten Kessel schaffen würde, wie ihn Sechzig haben sollte.“
-Wie stellt sich Mey die sportliche Zukunft der Löwen vor?
Sein „mittelfristiges Ziel“ ist das „mittlere Drittel“ der Ersten Liga. „Vielleicht geht es sogar hoch ins erste Drittel.“
-Welcher Handlungsbedarf besteht in dieser Saison?
„Die Regionalliga ist nur durch das Nadelöhr Relegation zu verlassen. Im Winter brauchen wir dringend weitere Spieler, um auf Nummer sicher zu gehen.“
-Wie steht es um Meys Fußballkompetenz?
Er sieht sich in erster Linie als Fan. „Ich behaupte von mir nicht, dass ich der große Fußballexperte bin, der Bescheid weiß und in der Szene jeden kennt. Ich behaupte aber, dass ich dazu in Lage bin, geeignete Leute an die richtigen Stellen zu setzen.“