München – Es lagen spannende Wochen hinter ihm, erzählte der Mann seinen Fans via „Twitter“. Immer wieder habe er sich gefragt, welcher Verein der Beste für ihn sei. Es gab einige Angebote aus dem Ausland, auch von Vereinen, die Champions League spielen – aber „nirgendwo hat es so geknistert wie beim VfB Stuttgart“. Manchmal läge, sinnierte der Mann weiter, die Antwort überraschend nah. Soweit die Begründung von Holger Badstuber, warum er seine Karriere bei den Schwaben fortsetzt. Doch wie die Dinge stehen, dürfte er nicht der Einzige sein, der von der Isar an den Neckar siedelt.
Das ominöse Knistern zwischen Bayern und Schwaben soll laut der „Bild“ auch Michael Reschke elektrisiert haben. Für den Kaderplaner des Meisters ist beim VfB eine verlockende Stelle freigeworden, die angesichts der jüngsten Entwicklungen an der Säbener Straße unversehens noch interessanter wurde. Jan Schindelmeiser ist beim VfB seinen Job als Sportvorstand los, und Reschke dürfte bei Bayern das Stuttgarter Organigramm neuerdings etwas sorgfältiger studiert haben als noch vor wenigen Wochen.
In München wurde ihm am Montag nämlich der 40-jährige Berufseinsteiger Hasan Salihamidzic als weisungsbefugter Sportdirektor vor die Nase gesetzt. Das mag für einen Mann, der Ende September seinen 60. Geburtstag feiert und über die Hälfte seines Lebens Talente gescoutet hat (35 Jahre für Leverkusen, drei für Bayern) ein Nackenschlag gewesen sein, zumal er selbst nach der Demission von Matthias Sammer im vergangenen Sommer auf diesen Posten spekuliert hatte. Pep Guardiola hätte Reschke angeblich am liebsten sofort zu Manchester City mitgenommen, doch der Stratege, der im Juli 2014 auf Betreiben von Uli Hoeneß zu den Münchnern gekommen war, blieb bei diesen Lockruf noch standhaft. Zuletzt wurde seine Arbeit intern aber immer öfter kritisch hinterfragt, war zu hören.
Sollten sich die Wege trennen, wird die Frage zurückbleiben, woran die Beziehung scheiterte. Reschke genoss einen tadellosen Ruf, doch in Wahrheit hatte er auch bereits in Leverkusen zuletzt selten Kaliber entwickelt, die Format für Bayern hatten. Arturo Vidal ist der Einzige, der kam über den Umweg Juventus Turin nach München. Es ist aber gleichzeitig auch ein Problem für einen Talentscout, wenn er seinem Verein Talente wie Kingsley Coman, Renato Sanches und Joshua Kimmich besorgt, dann aber einem Coach Carlo Ancelotti zuarbeitet, dem nicht der Sinn danach steht, junge Profis zu gestandenen zu formen.
Die Bayern schwiegen am Freitag zu den Meldungen, Reschke würde gehen. Sie dementierten sie aber auch nicht. Unter solchen Umständen, um es mal ganz frei mit Holger Badstuber zu sagen, liegt die Möglichkeit einer Trennung überraschend nah.