Das kommt einem doch alles verdächtig bekannt vor: Neues Stadion, neue Spieler, Aufstieg in die Erste Liga. Davon nährt sich schon seit vielen Jahren das Wunschdenken im Lager des TSV 1860. Der Milliardär Hasan Ismaik hat bekanntlich so manches Luftschloss erbaut, gar von „Augenhöhe mit dem FC Barcelona“ schwadronierte er. Herausgekommen ist die Augenhöhe mit Pipinsried und Unterföhring. Den neuesten Stoff, aus dem die Löwen-Träume sind, lieferte nun ein weiterer Milliardär. Der Gautinger Gerhard Mey trumpfte dabei sogar noch spektakulärer auf als Ismaik. Vom Gewinn der Deutschen Meisterschaft sprach der Industrielle, und die sportlichen Perspektiven beschrieb er als nahezu grenzenlos: „Der Himmel ist das Limit.“ Man ist geneigt zu sagen: Ja mei, die Sechziger, sie greifen wieder mal nach den Sternen.
Nur zu Erinnerung: Beim TSV 1860 handelt es sich um jenen Verein, der erst vor einigen Monaten einen Jahrhundertabstieg erlebte, eine sportliche Katastrophe mit Absturz in die 4. Liga. Zuletzt konnte nur mit größter Mühe die Insolvenz und damit der totale Crash abgewendet werden.
Ist Mey also ein Fantast, der mit seinen hochfliegenden Plänen falsche Hoffnungen weckt? Nun, das würde allen Einschätzungen widersprechen, die bislang von ihm bekannt geworden sind. Der 61-Jährige gilt als seriöser, ernst zu nehmender, zielstrebiger Geschäftsmann, der obendrein noch die schöne Eigenschaft hat, im zwischenmenschlichen Umgang bayerischen Charme entfalten zu können. Eine Art Anti-Ismaik also. Und gewiss ist ihm auch zuzutrauen, Großprojekte wie einen Stadionbau energisch und kompetent anzuschieben.
Das Irritierende aber ist, dass Mey nun seine Pläne und Absichten (viel mehr hat er ja offenbar derzeit noch nicht zu bieten) mit großem Trommelwirbel öffentlich machte. Dabei sind die Sechziger gerade erst dabei, sich aus den Trümmern zu erheben. Trainer Daniel Bierofka und sein junges Team machen das auf grundsolide Weise. Doch in dieser schwierigen Situation, in der vor allem neue Bescheidenheit gefragt ist, haut Mey auf den Putz, verspricht ein neues Stadion, räsoniert über den Titelgewinn. Das klingt nicht nach Glaubwürdigkeit. Sondern nach populistischer Effekthascherei. Seiner Sache hat Mey damit keinen Dienst erwiesen.