Warten auf die EM-Abgesandten

von Redaktion

Die Bayern-Frauen ziehen an diesem Wochenende um – ab Donnerstag wird der Kader größer – Im Tor kommt es zum Zweikampf

München – Am Wochenende hat Thomas Wörle gut zu tun. Kisten packen und schleppen – denn der Umzug des Frauen-Teams des FC Bayern vom Trainingsgelände in Aschheim auf den neuen Campus in Fröttmaning steht an. Für den heutigen Samstag wurde zudem noch ein Test gegen Altenmark aus Österreich angesetzt, dann ist bis zum Donnerstag frei, und sobald alles in den Spinden verstaut ist, sind auch die ersten EM-Abgesandten wieder am Start. „Bisher konnten wir nur in kleinen Gruppen trainieren, ich freue mich, wenn es endlich voll losgeht“, sagt Wörle.

Während des Turniers hielt er mittels einer eigens kreierten „Whats App-Runde“ mit seinen Spielerinnen Kontakt. Vor allem die Österreicherinnen gaben auch ihm Grund zur Freude, „für sie war es ja ein Wahnsinnserlebnis, welche Begeisterung sie zuhause entfacht haben“. In Viki Schnaderbeck, Carina Wenninger und Manuela Zinsberger stellten die Bayern drei Stützen des Überraschungsteams der EM, „sie werden sicher mit viel Elan zu uns zurückkommen“, so der Coach.

Nicht zuletzt Torfrau Zinsberger sorgte für Aufsehen, in Wörles Augen setzte die 21-Jährige bei ihrem Nationalteam die Entwicklung fort, die sie in München schon angestoßen hatte. „Sie war bereits zum Ende der letzten Saison nah an unserer Nummer 1 Tinja Korpela dran, ich erwarte, dass es in dieser Vorbereitung da einen Zweikampf gibt“, sagt der Trainer. Für die Finnin, die während der Vorbereitung Ellbogenprobleme hatte, spricht die Erfahrung, ihre Herausfordererin aus Austria hingegen besticht mit jugendlichem Elan. „Sie muss noch reifen, aber sie hat ganz sicher viel Potenzial“, attestiert Wörle.

Den enttäuschenden Turnierverlauf der DFB-Auswahl bewertet Wörle zweigeteilt. „Dänemark war ein schwerer Gegner, das wusste ich schon – aber insgesamt fehlte die Leichtigkeit im Team“, analysiert der Coach. „Wenn man einen Umbruch einläutet, ist das etwas, was man berücksichtigen muss. Und natürlich muss der DFB auch immer besonderen Maßstäben gerecht werden – dabei ist doch jedem klar, dass man trotz sechs EM-Titeln in Serie auch einmal Gefahr laufen kann, dass die Serie reißt.“ Steffi Jones habe einen erfrischenden Stil entwickelt, so Wörle, nun müsse der DFB entscheiden, ob er den Weg weitergeht.

Generell habe die EM gezeigt, dass der Frauen-Fußball auf diesem Niveau gerade mit einer neuen Herausforderung zu kämpfen hat: „Die schwächeren Teams haben in einem Maße aufgeholt, in dem die stärkeren sich noch nicht wieder von ihnen absetzen konnten. Es wird inzwischen geschickter verteidigt, doch den Top-Nationen fehlen gerade die Mittel, um Lösungen zu finden.“ Deutschland müsse da besonders aufpassen: „Die anderen Nationen ziehen an uns vorbei – oder rücken zumindest immer näher.“ andreas Werner

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