Der Führungsspieler

von Redaktion

Timo Gebhart geht bei den Sechzigern mit bestem Beispiel voran

Passau – Es war der Wendepunkt in einer Partie, in der auf holprigem Rasen bis dahin nicht viel zusammengelaufen war für den TSV 1860. Doch kurz vor dem Halbzeitpfiff demonstrierte Timo Gebhart, was für ein großartiger Fußballspieler er ist. Mit geschmeidigen, blitzschnellen Bewegungen umkurvte er drei, vier Gegenspieler, um dann Nico Karger den Torschuss zum 1:0 aufzulegen. „Das sind die entscheidenden Momente, in denen ein Führungsspieler heraussticht aus der Mannschaft“, sagt Daniel Bierofka zur Dribbel-Nummer seines besten Mannes.

Es ist ja nicht das erste Mal gewesen in dieser Regionalliga-Saison, dass Gebhart das Spiel der Löwen in erfolgreiche Bahnen lenkte. Regelmäßig gehen von ihm die wichtigsten Impulse aus. „Ich hatte ihm gesagt: ,Timo, du musst als Führungsspieler durch Leistung vorangehen’“, erzählt Coach Bierofka: „Er ist momentan absolutes Vorbild, er geht auch in den schwierigen Phasen nach vorne.“

Das hatte nicht jeder erwartet. Denn der im Sommer zu Sechzig heimgekehrt Mittelfeldspieler hat komplizierte Jahre hinter sich. Seit dem Wechsel 2009 von den Blauen zum VfB Stuttgart schien – nach passablem Bundesliga-Einstieg – seine Karriere in eine Abwärtsspirale geraten zu sein. Die letzten Stationen waren Steaua Bukarest und Drittligist Rostock. Es stellte sich die große Frage: Wie würde sich ein Turbo-Dribbler, der das Talent für die Erste Liga hat, in der Viertklassigkeit zurechtfinden? Dort also, wo nicht zuletzt selbstlose Defensivarbeit gefragt ist. Bierofka hatte da keine Zweifel: „Ich kenne Timo ja schon lange, ich habe gewusst, dass er verteidigen kann. Das hat er früher auch gemacht, als er noch jung war.“

Die erste Zwischenbilanz lautet nun: Gebhart, den vielen schon für ein gescheitertes Talent hielten, hat die Herausforderung angenommen, hält beherzt dagegen; auch wenn er ständig gefoult wird, erweist sich auch als verbissener Teamplayer. Bierofka meint: „Die Jungs merken, Timo kann beißen, er arbeitet für sie, und somit arbeiten sie auch für ihn. Sie halten ihm den Rücken frei, währen er die guten Sachen nach vorne macht. Insofern bin ich momentan sehr zufrieden.“  gib

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