Passau – Es gibt immer noch Momente, wo sich der Eindruck aufdrängt, dass der TSV 1860 irgendwie nur schwer in die Viertklassigkeit passt. Eine gute Stunde vor Spielbeginn in Schalding-Heining ist das gewesen, als sich der 400 PS starke Mannschaftsbus der Münchner Löwen maximal in Schrittgeschwindigkeit den ebenso schmalen wie steilen Reuthinger Weg hochquälte zur von Maisfeldern, Wald und Wiesen umsäumten Sportanlage des SV Schalding-Heining, eingekeilt von einer Autoschlange. Eine Meisterleistung des Chauffeurs. Das luxuriöse Gefährt vom Typ Cityliner wirkte im Idyll nahe des Donauufers wie aus einer anderen, vergleichsweise futuristisch anmutenden Welt. Auf dem Spielfeld aber präsentierten sich die Gäste als fast schon ganz normaler Regionalligist, der sich auch der in dieser Spielklasse üblichen kämpferischen Mittel zu bedienen weiß. Nach dem 4:1-Sieg in der niederbayerischen Provinz erklärte 1860- Trainer Daniel Bierofka: „Ich ziehe den Hut vor meinen Jungs, sie haben bis zum Schluss alles rausgehauen.“
Dies ist auch notwendig gewesen, um den Widerstand der sich verbissen wehrenden Feierabendfußballer aus dem Passauer Vorort zu brechen. „Unsere Gegner geben immer 120 Prozent“, sagte Hauptangreifer Sascha Mölders. Dass es – trotz des klaren Resultats – tatsächlich kein Spaziergang für die Sechziger gewesen ist, zeigte sich auch nach der Partie. „In der Kabine liegen gerade welche, die hängen halb am Tropf“, berichtete Bierofka, „am Dienstag gegen Nürnberg haben wir bei 40 Grad gespielt, diesmal hatten wir gefühlte 35 Grad, die Jungs sind jetzt richtig fertig.“
Fast eine ganze Halbzeit lang war es den Schalding-Heiningern gelungen, den Tabellenführer mit solidem niederbayerischen Nahkampffußball so wirkungsvoll zu bearbeiten, dass kaum ein Spielfluss zustande kam. Erst das mit technischer Filigranarbeit veredelte Solo von Timo Gebhart (siehe auch unten) brachte die gegnerische Defensivreihe folgenschwer ins Wanken. Die Hereingabe des 1860-Spielmachers vollstreckte Nico Karger (45.+3) zum 1:0. Das erleichterte den hochsommerlichen Kraftakt enorm – und animierte die unentwegt feiernden Löwen-Fans zu zusätzlichen Anstrengungen. „Es macht Spaß, wenn uns die Fans so unterstützen“, sagte Mölders, „und wir versuchen das zurückzugeben.“
Das haben die Sechziger im weitaus beschwingteren zweiten Teil ihrer Vorstellung dann auch getan, und zwar mit drei Treffern von Kilian Jakob (60., Flanke: Christian Köppel), Mölders (66. auf Steilpass des starken Daniel Wein) und Karger mit seinem vierten Saisontor (92.+2, Vorlage: Nicholas Helmbrecht). Gebhart meinte: „Am Ende siegte die Qualität.“ Wobei an dieser Partie so ziemlich alle ihren Spaß zu haben schienen. „Es war ein tolles Fußballfest“, meinte Bierofka, „beide Mannschaften haben sich von ihren Fans beflügeln lassen.“
Der sympathisch ländliche Charme im Stadion am Reu-thinger Weg 8, in dem die Zuschauerreihen bis ungefähr einen Meter an die Rasenfläche heranreichen, ist das eine. Zum kleinen Festtag ist das Gastspiel der Sechziger aber auch geworden, weil sie sich bei ihrem fünften Sieg im sechsten Spiel darin bestätigt sehen konnten, immer besser mit Regionalliga-Begebenheiten zurechtzukommen. „Ich hatte ja immer gehofft, dass wir in so einen Lauf kommen“, sagte Bierofka. Mit der jetzigen Punktausbeute liege sein Team voll im Soll. Eine schöne Basis also für das Kommende. Bierofka meinte: „Nach fünf Siegen gehst du ganz anders ins Spiel. Jetzt heißt es nicht mehr: Wir müssen gewinnen. Sondern: Wir wollen gewinnen.“