Videobeweis: Fakten statt Emotionen

Moderne Zeiten

von Redaktion

Veränderung ist das Salz des Vergnügens – so zumindest sieht es Friedrich Schiller, und um es frei mit einem anderen deutschen Dichterfürsten zu sagen: Da stehen wir nun, wir armen Toren – und wissen nach der Premiere des Videobeweises nicht so recht, was wir davon halten sollen. Den Zweiflern sei jedoch versichert: Die technischen Pannen waren tatsächlich, was Pannen nun einmal sind: Keine Regel, sondern die Ausnahme. In Zukunft werden alle Vorgänge transparenter. Ob der Videobeweis dann aber tatsächlich ein Vergnügen wird, liegt in Kürze schlicht in der Natur des Betrachters.

Man darf sich von den wackligen Entscheidungen am Samstagabend nicht täuschen lassen: Der Videobeweis hilft ganz eindeutig, Fakten zu schaffen. Und wie immer, wenn die Technik ins Spiel kommt, schwindet das Menschliche, die Emotion. Die Fans werden sich an moderne Zeiten gewöhnen müssen.

Der Fußball erfährt in Zukunft mehr Gerechtigkeit, was sinnvoll erscheint. Es wurde ein Millionenspiel – warum also alles der Gefahr aussetzen, Opfer von menschlichen Missgeschicken zu werden? Doch er wird auch klinischer, steriler . . . ja, er wird auch fader, denn, Hand aufs Herz: Das macht den Sport ebenfalls aus, dass man sich mal aufregen kann über Dinge, die eigentlich nicht passieren dürften.

Der Videobeweis sorgt für weniger Emotionen – und für verzögerte, denn man wird sich daran gewöhnen müssen, dass der Torjubel im Zweifel erst alle Dämme bricht, sobald der unsichtbare Wächter in einem Kölner Container den Daumen hebt. Am Samstag verstrichen verstörend zäh die Sekunden, ehe Felix Zwayer das undurchsichtige 2:2 endgültig abnicken konnte, und auch beim 1:1 rätselten die Zuschauer, was die nächste Situation sei: Freistoß wegen Abseits oder Anstoß wegen Tor?

Trotz allem: Der Videobeweis ist eine Verbesserung, sobald die Technik mitspielt. Jeodch sind Extremfälle programmiert. Eines Tages wird ein Schiedsrichter ein elfmeterwürdiges Foul an Team A übersehen und beim folgenden Konter einen für Team B verhängen. Dann aber korrigiert der Videoassistent: Strafstoß für B annullieren und stattdessen auf der Gegenseite für A geben. Man kann sich den Unmut ausmalen. Veränderung, du salziges Vergnügen!

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