Frankfurt – Die Experten sind sich nicht einig: 3,5 Milliarden Euro, sagen die einen, hat der Bund für seine Commerzbank Aktien bezahlt. Andere sprechen von fünf Milliarden. Eine dritte Zahl ist unbemstritten: Knapp 2,2 Milliarden Euro ist das Aktienpaket derzeit noch wert. Mit 15,6 Prozent ist der Bund der mit Abstand größte Aktionär der Commerzbank, deren Aktienkurs sich zwar seit Frühjahr deutlich erholt hat, aber mit gut elf Euro immer noch ganz weit von früheren Zeiten entfernt ist. 2008 stand er bei mehr als 180 Euro. Bis mindestens 18, möglicherweise sogar bis 26 Euro müsste der Kurs also steigen, wenn der Steuerzahler ohne Verlust aus dem Engagement rauskommen soll.
Dass der Bund deshalb jetzt einen Verkauf in Erwägung zieht und damit ein Milliarden-Minus verbuchen müsste, halten Analysten für unwahrscheinlich. „Auf dem aktuellen Kursniveau wäre ein Verkauf der Commerzbank-Aktien für den Bund nicht sinnvoll“, sagt Philipp Häßler, Analyst und Bankenkenner bei der Equinet AG. „Dem Steuerzahler würde das einen deutlichen Verlust bescheren“. Ähnlich sieht es Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch. Mit einem Verkauf wäre, so Hein, aktuell ein Verlust von rund 2,5 Milliarden Euro verbunden. „Warum sollte der Bund also verkaufen? Dafür gibt es aktuell keinen Grund“. Spekulationen über einen Ausstieg des Bundes gibt es immer wieder.
Angeblich soll er jetzt nach der Bundestagswahl wieder auf die Tagesordnung kommen und dann könne es schnell gehen, zitiert ein Wirtschaftsmagazin die gut informierte „Finanzkrisen“. Dabei sollten dann 3,5 Milliarden Euro erlöst werden. Dass wären rund 18 Euro pro Aktie. Der oder die Käufer müssten also einen deutlichen Aufschlag zahlen.
Ohne den Bund wäre die Commerzbank 2008 in die Pleite gerutscht. Kurz nach der groß gefeierten Übernahme der Dresdner Bank, die sich letztlich als schwere Bürde erwies, kam es zur Finanzkrise. Der Staat musste die zweitgrößte deutsche Bank mit einer Finanzspritze von insgesamt 18,2 Milliarden Euro retten. Davon waren 16,4 Milliarden Euro eine stille Einlage. Zudem wurde der Bund größer Aktionär, mit 25 Prozent plus einer Aktie. Die stille Einlage hat die Bank bereits 2013 vollständig zurückgezahlt. Freilich musste sie sich dafür über mehrere Kapitalerhöhungen frisches Geld beschaffen. Gab es 2008 noch 722,6 Millionen Aktien, sind es aktuell 1,25 Milliarden.
Der Anteil des Bundes hat sich mittlerweile durch verschiedene Maßnahmen auf 15,6 Prozent reduziert. Vor kurzem ist der Finanzinvestor Cerberus mit rund fünf Prozent eingestiegen. Weiterer Großaktionär ist mit knapp 4,9 Prozent BlackRock, der weltweit größte Vermögensverwalter. 70 Prozent der Aktien sind breit gestreut.
Einen deutlichen Anstieg des Aktienkurses der Commerzbank hat derzeit kein Analyst im Blick. Im Gegenteil: Allenfalls rechnen sie mit einer Seitwärtsbewegung, viele sogar mit niedrigeren Kursen bis zu weniger als zehn Euro. Grund: Die Commerzbank steckt immer noch tief in der Sanierung, baut bis 2020 rund 7000 Vollzeitstellen ab, was rund 800 Millionen Euro kosten wird.
Zwar ist dieser Aufwand schon verbucht, aber auch die Erträge im eigentlichen Bankgeschäft gehen zurück. Deshalb musste die Commerzbank im ersten Halbjahr einen Netto-Verlust von gut 400 Millionen Euro hinnehmen. Und für das gesamte Jahr wird sie nur aufgrund von Sondererträgen durch Verkäufe in die schwarzen Zahlen kommen. Die Bank sei überhaupt noch nicht stabilisiert. Und dass sei doch gerade das Ziel gewesen, dass der Bund mit Einstieg im Auge gehabt habe, sagt Hein. Auch deshalb wäre ein Verkauf jetzt unverständlich.
Auf der anderen Seite hat Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) derzeit wohl kaum Veranlassung, sich unter Inkaufnahme von Verlusten von Commerzbank-Aktien zu trennen. „Es gibt derzeit keine Aktionäre, die Druck machen“, betont Analyst Häßler. „Die Regierung sollte geduldig sein. Zumal die Lage der Commerzbank weiter schwierig ist. Der Bund kann auch in fünf Jahren noch verkaufen. Zudem hat er aktuell keine Finanznöte.“