München – Was Fehlentscheidungen betrifft, sind die Dortmunder leidgeprüft – gerade, wenn es gegen die Bayern geht. Den Borussen wurden Tore auf haarsträubende Art aberkannt, gegen sie blieben Münchner Rotsünder auf groteske Weise verschont, sie hatten allen Grund, sich den Video-Assisteten herbeizusehen – gerade, wenn es gegen die Bayern geht. Doch über den Begegnungen dieser beiden Klubs schwebt nach wie vor eine mysteriöse Wolke. Die Premiere der neuen Technik lief mit technischen Pannen ab – und die Dortmunder grummelten wieder zurecht.
Vor dem Münchner 1:1 von Robert Lewandowski wähnte man Vorlagengeber Joshua Kimmich im Abseits. Die Regularien der neuen Technik lassen durchaus weiter generös Raum für Diskussionen, doch wenigstens eine Debatte, hieß es im Vorfeld, werde es nicht mehr geben: Die um Abseitstore. Ob ein Foul mit einem Elfmeter sanktioniert werden muss, wird bis zu einem gewissen Grad immer im Auge des Betrachters liegen. Beim Abseits aber pulverisiert die Technik jede Zweifel. Nur streikte ausgerechnet bei der Premiere der Computer. Die kalibrierten Linien, die ab sofort zur Verfügung stehen, lagen in der ersten Hälfte noch nicht vor – weder dem Video-Assistenten noch den Fernsehzuschauern. Der Treffer zählte, obwohl vor dem TV diskutiert wurde wie zu alten Zeiten: Abseits, oder?!
„Kimmich stand, wenn auch denkbar knapp, nicht strafbar im Abseits“, erläuterte Hellmut Krug die Situation später. Der Ex-Referee ist für die Umsetzung der neuen Technik zuständig, die diese Saison eingesetzt wird. Die Entscheidungen beim Supercup seien „letztlich alle korrekt“ gewesen, sagte Krug, der aber auch zugab: „Wir hatten Glück, dass diese Entscheidung im Nachhinein bestätigt wurde.“ Man habe „stets darauf hingewiesen, dass es in der Anfangsphase zu kleineren Problemen kommen kann. Wir setzen alles daran und sind optimistisch, alles bis zum Ligastart zu beheben.“ Dennoch werde es „entgegen so mancher Befürchtung auch weiter Diskussionen um Schiedsrichterentscheidungen geben“.
Das Münchner 2:2 zeigte eine weitere Facette, an die man sich gewöhnen muss. Es ging unübersichtlich zu, und als der Ball im Netz zappelte, hielt sich der Jubel in Grenzen, weil zunächst das Urteil der Wächter vor den Monitoren in Köln abgewartet werden musste. „Man kann sich nicht direkt freuen, man muss abwarten“, sagte Sebastian Rudy. „Es benötigt Zeit, bis man sich damit arrangiert hat“, meinte Carlo Ancelotti, „aber der Videobeweis ist eine gute Regel für den Fußball.“ Sein Kollege Peter Bosz pflichtete bei. Nun, er ist erst seit wenigen Wochen BVBler, insofern fühlte es sich für ihn noch nicht so an, als sei man diesmal halt zur Abwechslung vom Video-Assistenten verschaukelt worden. awe