London – David Storl, dieser Berg von einem Kugelstoßer, wirkte auf einmal zerbrechlich. Müde an ein Gatter gelehnt, suchte Storl, 27, den Katakomben des Londoner Olympiastadions nach Erklärungen für sein WM-Debakel. Allein, er fand keine. Aus dem einstigen Wunderkind ist ein Sorgenkind der deutschen Leichtathletik geworden. „Es war mein drittschlechtester Wettkampf in diesem Jahr. Das darf bei einer WM nicht passieren“, haderte er.
Im Vorjahr hatte Storl verletzungsgeplagt Platz sieben bei Olympia in Rio belegt. Nun reichte es nach starker Vorleistung und guter Vorbereitung nur zu Platz zehn – und nicht einmal zum Endkampf der besten Acht.
Mit 20,80 m blieb der zweimalige Weltmeister rund einen Meter unter seinem Saisonbestwert, der neue Champion Tom Walsh aus Neuseeland (22,03) sowie Joe Kovacs (USA/21,66) und Stipe Zunic (Kroatien/21,46) auf den weiteren Medaillenrängen wären für einen „normalen“ Storl in Reichweite gewesen. „Ach, Konjunktiv ist nicht so meine Lieblingssprache“, sagte Storl: „Ich habe einfach einen Scheiß-Wettkampf gemacht. Das ist kein Riesen-Drama, das kann passieren.“
Rätsel gibt allerdings die Art und Weise auf, wie Storl dort unterging, wo er 2012 noch Olympiasilber geholt hatte: Der Sachse war fit, glänzte als Zweiter (21,41) in der Qualifikation, nagelte die Kugel im Einstoßen unmittelbar vor dem Finale noch mehrfach an die 22-Meter-Marke – und verlor dann völlig den Faden, als es ernst wurde. Die Leichtigkeit war schlagartig verschwunden.
Storl wollte alles, verkrampfte aber. Ungültig der erste Versuch, ungültig der zweite, zu kurz dann unter Druck der dritte. „Das war kein mentales Problem, sondern eine technische Katastrophe“, behauptete er.
Mit 27 ist Storl für einen Stoßer immer noch jung, wenn sein Problemknie hält, ist die WM 2019 in Doha drin, die Heim-EM 2018 in Berlin wird eine reizvolle Zwischenstation. Die Zeit, an einigen Schrauben zu drehen, hat der Leipziger. sid