München – Es waren bange 22 Minuten, die nach dem Zieleinlauf für alle zu überstehen waren. Erst danach stand auf der Berliner Rennbahn Mariendorf fest: Der bayerische Traberhengst Tsunami Diamant hat mit dem Holländer Robin Bakker im Sulky das 122. Deutsche Traber-Derby gewonnen. Züchter und Besitzer Max Schwarz („Ein Martyrium“) aus Langenmosen und Mitbesitzer Johann Holzapfel aus Anzing hatten so lange zittern müssen, ehe der Triumph ihres Traberhengstes offiziell verkündet war.
Grund für die überlange Wartezeit: Im wichtigsten Rennen des Jahres war die Zielfotoanlage ausgefallen. Erschwerend kam hinzu, dass der das gesamte Rennen über führende Flying Fortuna ganz innen und Tsunami fast außen an den Rails die Ziellinie passiert hatten. Als sich dann aber der Zielrichter und die Rennleitung für Tsunami Diamant als Sieger entschieden hatten, gab es dagegen keinerlei Proteste.
Im Zieleinlauf waren sich die beiden Favoriten Portland (mit Fahrer Roland Hülskath) und Mister Ed Heldia (Björn Goop) recht nahe gekommen, worauf Portland in Galopp verfiel. Robin Bakker umschiffte die Kontrahenten geschickt und fegte außen zum mit 120 704 Euro dotierten Triumph gegen den vom Schweden Christoffer Eriksson gesteuerten Hengst aus Kieler Besitz.
Der holländische Fahrer hat zudem das Kunststück fertig gebracht, seit 2013 vier Mal im Blauen Band zu dominieren, davon die letzten dreimal en suite. Das hat vor ihm noch kein Trabrennfahrer geschafft. Am Toto wurde der Sieg mit 4,6-fachem Geld honoriert.
Eine stolze Leistung zeigte auch der zweitlängste Außenseiter im Feld, Ganyboy. Sein Fahrer Thorsten Tietz hielt ihn klug innen und dafür gab es am Ende das dritte Preisgeld, nämlich 29 269 Euro. Dies ging an Renate Gramüller, Ehefrau des Daglfinger Trainers Robert Gramüller – und an Johann Holzapfel, der auch an diesem Pferd eine Beteiligung hat.
Leer gingen die bayerischen Vertreter Power of Rhythm mit Rudi Haller und der von Josef Franzl trainierte Baxter Hill mit Michael Schmid aus. Das Derby brachte dem Sauerlacher Franzl gar kein Glück, da er zudem den gutklassigen Pelle Barosso wegen Krankheit als Starter hatte streichen müssen.
Auch Marion Jauß, Besitzerin von Pelle, wird dieses Derby schnellstmöglich vergessen wollen. Seit über zwei Jahrzehnten hechelt sie einem Erfolg im wichtigsten Rennen des Jahres hinterher. Mit Portland sollte heuer endlich der Durchbruch geschafft werden, zumal sein Fahrer Roland Hülskath im Vorfeld noch selbstbewusst verkündet hatte: „Das Derby gewinnt nur Portland.“ Für den schmucken Fuchs kam das Rennen zu früh, er hatte zu wenig Rennerfahrung.
Groß waren die Emotionen im Winnercircle. Johann Holzapfel (bereits 2012 Mitbesitzer des Derbysiegers Dream Magic BE) und Max Schwarz versteckten ihre Tränen nicht, auch Sohn und Rennstallmanager Andi Schwarz und die Leiterin der Zucht des Gestüts M.S. Diamanten, Daniela Fellner, zeigten Rührung, war Tsunami Diamants Erfolg doch der erste Derbysieg für die führende deutsche Zuchtstätte mit Sitz in Eppertshofen bei Schrobenhausen.
Was Gestütsherrn Max Schwarz besonders stolz macht: Vater des frischen Derbysiegers ist der von ihm gezogene, gestütseigene Gewinner von über einer Million Euro, Gustav Diamant, der vor 12 Jahren, obwohl nicht in Bestform, im Derby den dritten Rang belegte. Und wer war damals Mitbesitzer? Einmal darf man raten: Johann Holzapfel.