Mein Dorf

„Grüßen tut man hier alle“

von Redaktion

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Rudolf Heidrich, 62, ist Landwirt und lebt mit seiner Familie in Frohnloh, einem Weiler im Würmtal. Gerade ist er zum ersten Mal Opa geworden.

-Frohnloh hat nur etwas mehr als 100 Einwohner. Kennt man da jeden?

So gut wie. Den einen besser, den anderen schlechter. Aber grüßen tut man alle. In den vergangenen Jahren sind ein paar neue Familien zugezogen. Die meisten haben sich gut integriert, ganz wenige nutzen Frohnloh nur als Schlafstätte. Aber auch die kennt man.

-Ist Frohnloh sehr gewachsen, seit Sie hier leben?

Ich bin hier geboren und habe die Landwirtschaft von meinen Eltern übernommen. Das Dorf ist lange gleich groß geblieben. Vor einigen Jahren hat eine Landwirtschaft aufgehört, die Flächen wurden verkauft und als Bauland ausgewiesen. Dadurch sind ein paar neue Frohnloher dazugekommen. Aber das ist sehr überschaubar.

-Wie lebt es sich in so einem kleinen Ort?

Sehr gut. Wir haben einen guten Zusammenhalt. Zwar gibt es kein so ausgeprägtes Vereinswesen wie in größeren Dörfern. Aber wir haben den Verein Dorfgemeinschaft, in dem sich bestimmt 40 Prozent der Frohnloher engagieren. Wenn wir was feiern, dann helfen die Mitglieder mit. Einmal im Monat ist Stammtisch. Wir haben ein kleines Vereinshaus, da trifft man sich.

-Fühlt man sich manchmal ab vom Schuss?

Überhaupt nicht. Wir sind doch relativ zentral. Nach Gauting und Gilching sind es nur ein paar Kilometer, da gibt es Supermärkte, Metzgereien, Bäcker, Ärzte. Und die Kinder gehen dort zur Schule. Dort gibt es den MVV mit den Verbindungen nach München, zur A 96 sind es nur wenige Kilometer. Es klingt abgedroschen, aber in Frohnloh bin i einfach dahoam.

-Sie haben zwei Söhne. Mussten Sie die früher viel rumfahren?

Meine Söhne sind 25 und 27 Jahre alt. Klar haben wir die früher manchmal fahren müssen, zur Musikschule oder zum Sport, wenn das Wetter schlecht war und sie nicht radeln konnten. Aber so schlimm ist das nicht. Und meinem älteren Sohn hat es offensichtlich nichts gemacht, sonst wäre er nicht hier und würde die Landwirtschaft übernehmen wollen. Er wohnt mit seiner Freundin und seinem knapp einen Monat alten Sohn Quirin bei uns im Haus.

-Gibt es noch viel Landwirtschaft in Frohnloh?

Leider nein. Wir sind der letzte Vollerwerbsbetrieb, es gibt noch einen Landwirt im Nebenerwerb. Früher gab es fünf landwirtschaftliche Betriebe am Ort. Der Strukturwandel ist auch bei uns zu spüren. Wir selbst haben auch keine Rinder oder Schweine mehr, nur noch Hühner. Die Eier vermarkten wir direkt, Kartoffeln haben wir auch. Es ist schon interessant: In der ganzen Gemeinde Krailling, zu der Frohnloh seit der Gebietsreform in den 1970er-Jahren gehört, gibt es keine Kühe mehr.

Interview: Aglaja Adam

Artikel 1 von 11