Charles Manson fasziniert einige Menschen bis heute. Seine Sekten-„Family“ ermordete in seinem Auftrag im August 1969 sieben Menschen, darunter die Schauspielerin Sharon Tate. Im California State Prison in Corcoran, wo der heute 83-Jährige seit 1989 einsitzt, erhält er noch immer tausende Briefe, die meisten von Frauen. Warum der drogensüchtige Kriminelle, der sich für Jesus und Hitler hielt, noch heute zahlreiche Menschen anzieht, fragt die Filmemacherin Stephanie Burlot in der spannenden Dokumentation „Charles Manson – Sektenführer und Massenmörder“, die ZDFinfo am 12. August ab 22.30 Uhr zeigt.
Guru, Hippie, Rockstar: Charles Manson habe viele Gesichter. Vor allem aber sei er ein Mörder, erzählt Regisseurin Burlot. Der nur etwa 1,50 Meter große Manson hatte eine unglückliche Kindheit und wurde früh kriminell. Im Gefängnis und im Umfeld von Scientology habe er gemerkt, dass er das Talent habe, Menschen mit seinen Ideen zu manipulieren. Bei den Hippies, denen er sich nach dem Gefängnisaufenthalt anschloss, spielte seine Vergangenheit keine Rolle, erzählt die Autorin weiter. Er ließ sich in verschiedenen Hippie-Kommunen nieder und fuhr später in einem alten Schulbus mit seiner „Family“ durch Kalifornien und gab Konzerte.
Manson nutzte Drogen wie LSD, um seine Anhänger gefügig zu machen. Er habe schwache Menschen gesucht, meint der Journalist Sacha Reins, und bei der „Family“ gezielt mit Schlafentzug gearbeitet, um seinen Anhängern krude Theorien einzutrichtern. In seinen nach einem Beatles-Song benannten „Helter Skelter“-Glaubensgrundsätzen erwartete er die Apokalypse, in der die Weißen bis auf die „Manson-Family“ von den Schwarzen ausgelöscht würden. Da die Schwarzen aber unfähig seien, eine funktionierende Regierung zu bilden, werde er zum Führer gewählt. Das Töten habe er gerechtfertigt, so berichtet die Manson-Biografin Sophie Noel, weil dadurch ein Mensch schneller Zugang zum ewigen Leben erlange. So werde das Töten zu einem Akt der Liebe.
Manson versuchte zeitlebens, sich eine Rockmusiker-Karriere aufzubauen, hatte aber wenig Erfolg. Als er Dennis Wilson, den Schlagzeuger der Beach Boys, und deren Produzenten Terry Melcher kennenlernte, stiegen seine Hoffnungen. Als Wilson aber die „Manson-Family“, die inzwischen seine Villa okkupiert und verwüstet hatte, nach anfänglicher Gastfreundschaft hinauswarf und Manson von Melcher keinen Plattenvertrag bekam, sann er auf Rache.
Mansons Hass, so Autorin Burlot, habe sich auf das Haus konzentriert. Obwohl er wusste, dass inzwischen der Regisseur Roman Polanski und seine Frau Sharon Tate darin wohnten, schickte er im August 1969 mehrere Mitglieder der „Manson-Family“ dorthin, um alle Anwesenden zu töten. Auf die Tat folgten weitere Morde, bis Manson und vier Sektenmitglieder im Oktober 1969 zunächst wegen Autodiebstahls inhaftiert wurden.
Im Juli 1970 begann der Prozess in Los Angeles. Am 29. März 1971 wurden die Angeklagten zum Tod in der Gaskammer verurteilt. Manson verbrachte ein Jahr in einer Todeszelle, wurde dann aber nach der vorübergehenden Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien verlegt. Da von der Wiedereinführung nur neue Fälle betroffen sind, sitzt er bis heute im Gefängnis.
Die Dokumentation von Stephanie Burlot entrollt ein faszinierendes Panorama über die dunkle Seite der Hippie-Ära in Kalifornien. Sie hinterfragt zugleich den Kult um Charles Manson als Inbegriff des Bösen und kann damit ein weiteres Stück zu dessen Entmystifizierung beitragen.