leichtathletik-WM

Rojas lässt Venezuela jubeln

von Redaktion

Dreisprung-Gold für das gebeutelte Land – Kristin Gierisch wird Fünfte – Max Heß verletzt

VON CHRISTOPH LEUCHTENBERG und Kristof STÜHM

London – Erst musste Europameister Max Heß passen, dann flog Hallen-Europameisterin Kristin Gierisch an einer Medaille vorbei: Der „Tag der Dreispringer“ hat den deutschen Hoffnungsträgern bei der WM in London kein Glück gebracht. Für Heß fiel der Angriff auf Edelmetall wegen einer Oberschenkel-Verletzung vor der Qualifikation ins Wasser, Gierisch egalisierte beim historischen Sieg der Venezolanerin Yulimar Rojas als Fünfte immerhin die Top-Platzierung einer deutschen Dreispringerin in der WM-Geschichte.

Angefeuert von ihrem Chemnitzer Vereinskollegen Heß, der trotz seiner Malheurs im Stadion geblieben war, sprang die 26 Jahre alte Gierisch 14,33 m und blieb nur sieben Zentimeter unter ihrem Hausrekord. Einen 5. Platz hatte vor ihr nur Helga Radtke bei der WM-Premiere des Dreisprungs 1993 erreicht. Zu Bronze fehlten Gierisch letztlich stattliche 45 Zentimeter. Dennoch formte sie überglücklich mit den Händen ein Herz und winkte fröhlich ins Publikum. Bei der WM 2015 hatte sie noch Platz acht belegt.

Weltmeisterin wurde in einem packenden Duell Rojas mit 14,91 m vor Titelverteidigerin und Olympiasiegerin Caterine Ibargüen (Kolumbien/14,89). Es war das erste WM-Gold in der Geschichte des gebeutelten südamerikanischen Landes – 24 Stunden zuvor hatte Stabhochspringerin Robeilys Peinado in London mit Bronze im Stabhochsprung Venezuelas erste Medaille überhaupt geholt. Bronze holte Olga Rypakowa aus Kasachstan mit 14,77. Neele Eckhardt (Göttingen) blieb hinter ihren Möglichkeiten zurück und verpasste als Zwölfte mit 13,97 m den Endkampf. Die Jura-Studentin hatte in dieser Saison bereits 14,36 m erzielt.

Zu Ehren der britischen Dreisprung-Legende Jonathan Edwards waren in Anlehnung an dessen Fabel-Weltrekord aus dem Jahr 1995 rund 15 000 Tickets für die Wettkämpfe am Montagabend für günstige 18,29 Pfund (rund 20 Euro) verkauft worden, die Stimmung rund um die Grube war dementsprechend prächtig.

Die Atmosphäre bekam Max Heß immerhin mit, auch wenn die WM für den Chemnitzer schon beendet war, als es um die Tickets für das Finale am Donnerstag ging – beim Aufwärmen hatte sich der Youngster am Oberschenkelbeuger verletzt. „Die Muskulatur im Beuger macht zu. Deshalb muss Max leider auf einen Start verzichten. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, welche Behandlung erforderlich ist“, sagte der deutsche Chefbundestrainer Idriss Gonschinska.

Heß war eigentlich mit Medaillenhoffnungen nach London gereist, nachdem er zuletzt immer besser in Form gekommen war. „Wenn die Quali überstanden ist, ist einiges möglich“, hatte er gesagt. Doch nun sind die Träume des Sachsen vorzeitig geplatzt. Bester in der Qualifikation war Chris Benard mit 17,20 m vor Titelverteidiger Christian Taylor (beide USA/17,15). 16,66 m reichten für den Einzug ins Finale, für einen fitten Heß wäre das keine Hürde gewesen.

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