Und jetzt: Shoppen, reisen, Zeit haben

von Redaktion

Nach dem Silber-Coup von London freut sich Siebenkämpferin Schäfer auf ihren ganz privaten „Dreikampf“

von kristof Stühm und Christoph Leuchtenberg

London – Carolin Schäfers Augen leuchteten. „Richtig schön fettig und ungesund“ solle die Belohnung für ihren Silber-Coup bei der WM ausfallen, sagte die Siebenkämpferin strahlend. Nach zwei Tagen mit viel Schweiß und Tränen in London habe sie jetzt „Bock auf eine Pizza“. Und die hatte sich Schäfer wirklich mehr als verdient.

Endlich hatte Schäfer ihre erste internationale Medaille gewonnen, sie hielt dem Druck stand und musste sich nach einer ganz starken Vorstellung mit 6696 Punkten nur Olympiasiegerin Nafissatou Thiam (6784/Belgien) geschlagen geben. „Grandios. Es war ein so emotionaler Moment, dass einfach die Tränen gekommen sind“, sagte Schäfer, die dem deutschen Team zudem das erste Edelmetall der Titelkämpfe an der Themse sicherte.

Aufs und Abs – wie im richtigen Leben

Schäfer gilt in der Szene schon lange als Siebenkampf-Hoffnung, doch auf dem Weg zu Silber in London hatte die 25-Jährige auch immer wieder Rückschläge einstecken müssen. „Genau beurteilen kann das nur mein nahes Umfeld, wie hart die vergangenen Jahre für mich waren“, sagte Schäfer. Anfang 2015 hatte die Frankfurterin den tragischen Unfalltod ihres Freundes verarbeiten müssen, zuletzt erkrankte ihr Trainer Jürgen Sammert an Herz-Rhythmus-Störungen.

„Ein Mehrkampf ist von Aufs und Abs geprägt. Auch im normalen Leben gibt es Ereignisse, aus denen man sich zurückkämpfen muss und einen Plan B braucht“, sagte Polizei-Kommissarin Schäfer, für die vor allem „meine mentale Stärke“ der Schlüssel zum Erfolg war. In London wurde sie im Stadion von ihrer Familie und ihrem neuen Partner unterstützt. „Ich habe ein grandioses Gerüst um mich herum, in dem ich mich als Athlet sehr wohl fühle“, sagte sie: „Ich kann mich fallen lassen.“

Nach all den Entbehrungen der vergangenen Monate freute sich Schäfer nun darauf, acht Wochen „einfach mal nichts zu machen“, ihr „ganz normales Frauen-Leben“ zu genießen, wie sie sagte: „Shoppen, reisen, Zeit für Freunde und Familie haben – das ist viel zu kurz gekommen in der Vorbereitung auf London.“ Ihre Prämie von 30 000 Dollar für Silber vom Weltverband IAAF werde aber nicht in Kleidung investiert, sondern ganz klassisch: „Als Grundlage, um mein Haus zu finanzieren.“

Eine Begegnung mit ihrem „Idol“ Jennifer Oeser vor den abschließenden 800 m hatte Schäfer noch einmal extra motiviert. „Sie hat mir ihre Silbermedaille gezeigt“, sagte Schäfer. Oeser war die Medaille kurz vorher im Stadion überreicht worden, mit sechs Jahren Verspätung. Der Russin Tatjana Tschernowa, die 2011 in Daegu zunächst den Titel geholt hatte, war dieser aberkannt worden, nachdem sie bei Nachtests des Blutdopings überführt worden war.“ Oeser rückte einen Rang vor. „Das hat mich noch einmal gepusht“, erzählte Schäfer.

Und sie hat jetzt Lust auf noch mehr Erfolg bekommen. Den deutschen Rekord von Sabine Braun (6985) „in Angriff nehmen“ und noch mehr Medaillen, derzeit plant Schäfer bis zu den Olympischen Sommerspielen 2020. „In Tokio habe ich hoffentlich meinen Leistungshöhepunkt“, sagte sie. In Japan will Schäfer den „maximalen Erfolg“ abräumen.

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