Wirbel um den Obazden

Was für ein Käse

von Redaktion

von Dominik Göttler

München – Vor Kurzem hat Thierry Willems Post von der Landesanstalt für Landwirtschaft bekommen. Als der Wirt des Bräustüberls Weihenstephan (Kreis Freising) den Brief gelesen hatte, war er richtig sauer: „Schon wieder Gebühren“, dachte er. Denn die LfL erinnerte den Gaststättenbetreiber daran, dass der Obazde als geografisch geschütztes Produkt eingetragen ist. Ausgerechnet ihn, den Wirt des Bräustüberls, in dem seine Vorgängerin Katharina Eisenreich den Obazden einst zum bayerischen Brotzeit-Wahrzeichen reifen ließ. Der Eintrag bedeutet, dass der Obazde nach einer vorgegebenen Rezeptur hergestellt werden muss. Was natürlich kontrolliert werden muss. Und das wiederum kostet Geld. Heißt für Bayerns Wirte: Wer seinen Obazden selber macht, muss künftig zahlen. Oder einen anderen Namen finden.

So macht es jetzt Denis Kleinknecht, Wirt des Gasthofs Heinzinger im Maisacher Ortsteil Rottbach (Kreis Fürstenfeldbruck). Er will seinen Obazden künftig „EUbatzda“ nennen – um auf die „Monopolisierung eines Kulturguts“ hinzuweisen, wie er sagt. Und um die Kontrollkosten zu sparen. Denn er befürchtet, dass das mehrere hundert Euro im Jahr sein könnten. „Da müssten wir ja 20 Euro pro Portion verlangen, dass sich das noch rechnet.“ Er habe die Wirtschaft vor einem knappen Jahr übernommen, um dem Wirtshaussterben etwas entgegenzusetzen. „Wir versuchen, so viel wie möglich aus der Region zu beziehen. Aber jetzt wäre es sinnvoller, ein fertiges Industrieprodukt einzukaufen“, sagt er. „Das ist doch ein Schmarrn.“

Peter Hubert, Wirt des Tegernseer Bräustüberls, hat schon vor zwei Jahren reagiert. Denn damals trat die neue Regelung in Kraft, an die die LfL nun einige Wirte noch mal erinnert hat. Im Tegernseer Bräustüberl heißt der Obazde seitdem „Bräubazi“ – weil Hubert ein anderes Rezept verwendet. Die Verordnung schreibt einen Camembert- oder Brie-Anteil von mindestens 40 Prozent vor (siehe Kasten). Im Bräustüberl wird dafür mehr Frischkäse verwendet – und das schon seit einem halben Jahrhundert. „Es zeichnet die bayerische Küche doch gerade aus, dass nicht alles gleich schmeckt“, sagt Hubert. Nach der Umbenennung sei der Umsatz etwas zurückgegangen. „Stammgäste sagten, der schmeckt nicht mehr, obwohl wir alles genau wie vorher gemacht haben.“ Mittlerweile wird der Bräubazi wieder mindestens genauso oft bestellt wie der Obazde zuvor.

Dass die EU den Obazden überhaupt geschützt hat, geht auf eine Initiative der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft zurück. „Damit sollen unsere Betriebe vor Nachahmern aus dem Ausland geschützt werden“, sagt Geschäftsführerin Maria Linderer. Der Obazde stehe damit im selben „Olymp der Genüsse“ wie Parmaschinken, Champagner oder griechischer Feta. Die Angst der Wirte vor hohen Kontrollgebühren hält Linderer für überzogen. Ziel sei ein gebündeltes System mit stichprobenartigen Kontrollen. „Dann bleibt es bei Kosten von einem zweistelligen Betrag pro Jahr für die Wirte.“ So funktioniere das auch beim ebenfalls geschützten Schrobenhauser Spargel.

Im September treffen sich Vertreter des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands und der LfL, um über ein vereinfachtes Kontrollsystem zu beraten – damit es am Ende nicht die von vielen befürchteten hunderte von Euro kostet, den Obazden weiter anzubieten. Das sei auch nicht im Interesse der LfL, heißt es dort auf Nachfrage.

Nach anfänglichem Bauchgrummeln will sich auch Thierry Willems beim LfL als Obazda-Produzent registrieren, wie das bereits Großbetriebe wie Vinzenz Murr oder Alpenhain getan haben. Das Weihenstephaner Bräustüberl sei ohne Obazden schließlich nicht denkbar. Er hofft dennoch, dass bei den Gesprächen eine Lösung herauskommt, mit der auch kleine Wirtschaften leben können. Und wenn damit auch noch „Betrüger“ entlarvt würden, die ihren Obazden mit billigen Zutaten panschen – dann, findet Willems, hätten die Kontrollen auch ihren Sinn.

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