1860 rotiert, Neuburg rodet

von Redaktion

Totopokal-Premiere für den Doppelabsteiger: Bierofka schont Gebhart und belohnt Strobl – VfR im Löwenfieber

Neuburg/München – Man kennt das inzwischen: Die Löwen kommen – und sorgen für Ausnahmezustände in bayerischen Landstrichen, die mit Fußball-Hysterie bisher nichts am Hut hatten. Schlangen beim Ticketverkauf in Tankstellen und Fahrschulen, die freiwillige Feuerwehr als Ordnungsdienst, Metzger, die Zusatzschichten einlegen. Buchbach und Schalding-Heining hießen die letzten 1860-Stationen in der Regionalliga – jetzt ist Neuburg an der Donau dran. Totopokal, erste Runde. Beim gastgebenden VfR bekam das sogar die Botanik zu spüren. Um den Löwen-Ultras einen separaten Zugang zur Sparkassen-Arena zu verschaffen, wurden kurzerhand ein paar Meter Hecke gerodet.

Es sind die Geister, die der Tabellendritte der Bezirksliga Schwaben Nord selbst gerufen hat. Mit Drittligist Unterhaching wäre sogar noch ein besser gestellter Klub im Lostopf gelegen, doch der VfR als erstgezogener Kreissieger entschied sich für 1860 – und muss jetzt mit den Folgen leben. Diese bedeuten in aller Kürze: 100 Meter Bauzaun und ebenso viele Ordnungskräfte. 1000 improvisierte Parkplätze (u.a. auf der Wiese vor dem Freibad). 2100 zu belegende Wurstsemmeln.

Natürlich ist die Partie ein Selbstläufer. 3500 Tickets waren in Windeseile weg. Bierbänke werden das Spielfeld säumen, damit die darauf sitzenden Zuschauer genauso freie Sicht auf das Neuburger Jahrhundertspiel genießen wie die hinter ihnen stehenden. „Das ist unser absolutes Traumlos. Ich hätte fast geweint“, gesteht VfR-Manager Martin Stanek: „Ich bin von Kindesbeinen an Blauer und trage 1860 im Herzen.“ Trotz des immensen Aufwandes ist er sich sicher: „Das wird ein tolles Erlebnis für die Mannschaft und die ganze Stadt.“

Naturgemäß nicht ganz so groß ist die Begeisterung im Lager der drei Klassen höher spielenden Löwen. „Wenn wir Neuburg unterschätzen, werden wir unser blaues Wunder erleben“, warnte Daniel Bierofka routiniert. Nach den Strapazen in der Liga (sechs Spiele in dreieinhalb Wochen) deutet sich an, dass der Trainer seinen wichtigsten Spielern eine Verschnaufpause gönnen wird: „Im Hinterkopf ist, dass wir sehr viele Spiele in kurzer Zeit hatten – unter großer Belastung und bei hohen Temperaturen.“ Die Chance, dass die Neuburger den zuletzt überragenden Timo Gebhart zu sehen bekommen, ist folglich gering: „Er hat schon die ganze Zeit mit seinem Zeh Probleme – für ihn wird’s eng. Auch Sascha Mölders und andere Spieler haben Wehwehchen.“

Fest steht schon jetzt, dass Alex Strobl statt Marco Hiller im Tor stehen wird. „Hat er sich verdient“, sagte Bierofka: „Wie’s dann am Sonntag ausschaut, überlegen wir noch.“ Vier Tage nach Neuburg steht ja schon das nächste K.o.-Spiel an, dann mit umgekehrten Vorzeichen. Gegen Bundesliga-Absteiger Ingolstadt sind die Löwen der Außenseiter – was nichts an Bierofkas Ambitionen ändert: „Jeder Pokal ist wichtig für mich. Wir wollen so weit wie möglich kommen.“ uli kellner

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