Coburg – Es sollte ein Routinetermin werden. Fahrzeuge der Feiwilligen Feuerwehr Coburg sind als Kolonne im Stadtgebiet unterwegs – eine Übungsfahrt mit Blaulicht und Martinshorn. Ein junger Feuerwehrmann sitzt dabei als Beifahrer in einem 18 Tonnen schweren Wagen. Am Steuer: sein Vater. Das „TLF 20/40-SL“ ist das größte und schwerste Tanklöschfahrzeug der Coburger Wehr, Baujahr 2008, 360 PS, mit Platz für 4800 Liter Wasser, 500 Liter Schaummittel und 250 Kilo Löschpulver. Wer am Steuer eines solchen Einsatzfahrzeugs sitzt, braucht einen Lkw-Führerschein.
Warum genau das Fahrzeug am Montagabend von der Fahrbahn abkommt, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft hat einen Sachverständigen beauftragt. Klar ist: Es ist kein Ernstfall, der den Einsatz ausgelöst hat. Jedoch ist die Feuerwehr an diesem Abend „mit Sonderrechten unterwegs“, wie es bei der Polizei heißt. Martinshorn und Blaulicht sind also angeschaltet, um bei der Übung den Ernstfall zu simulieren. Rechtlich sei das gestattet, sagt ein Polizeisprecher. Das schwere Löschfahrzeug prallt gegen eine Betonmauer und kippt um. Der junge Feuerwehrmann wird eingeklemmt. Die herbeieilenden Feuerwehrleute müssen nun ihren eigenen Kameraden aus dem Wrack befreien. Das gelingt ihnen zwar – doch im Krankenwagen stirbt der 20-Jährige an seinen schweren Verletzungen. Der 47 Jahre alte Vater auf dem Fahrersitz kommt mit leichten Blessuren davon. Doch er steht unter Schock. Zum Unfallhergang kann er daher zunächst nichts sagen. Gestört werden die Bergungsarbeiten von Gaffern. Ein 43 Jahre alter Mann gelangt mit seinem 15 Jahre alten Sohn hinter die Absperrung und will mit dem Smartphone filmen, wie die Polizei mitteilt. Als ihn ein Feuerwehrmann wegschicken will, soll der 43-Jährige gerufen haben: „Was willst du denn von mir? Ich hau dir eine aufs Maul!“ Auf der anderen Straßenseite wollen Vater und Sohn weiter filmen und fotografieren, bis schließlich eine Polizeistreife beide mitnimmt.
Auf den Social-Media-Seiten der Coburger Feuerwehr – die Einsatzkräfte informierten bislang regelmäßig bei Facebook und Twitter über ihre Aktivitäten und Einsätze – haben die Verantwortlichen die Profil- und Titelfotos gelöscht. Geblieben ist tiefe Schwärze. „Wir verlieren einen verlässlichen Kameraden und auch einen guten Freund“, trauert Stadtbrandrat Ingolf Stökl. Feuerwehrkollegen aus dem ganzen Bundesgebiet drücken bei Facebook ihr Mitgefühl aus; die Stadt ordnet eine dreitägige Trauerbeflaggung an allen Verwaltungs- und Feuerwehrgebäuden an.