Markt Schwaben – Am Himmel braut sich etwas zusammen – und Damian Warmulas Puls steigt. Nicht weil er Angst vor Gewittern hätte. Ganz im Gegenteil. Dort, wo es am heftigsten blitzt und donnert, ist er am liebsten. Das hängt mit einer Leidenschaft zusammen, die ihn seit mehr als 15 Jahren durch sein Leben begleitet. Der 33-Jährige aus Markt Schwaben (Kreis Ebersberg) jagt Gewittern hinterher – um sie zu fotografieren. „Die Naturgewalt fasziniert mich“, sagt er. „Das ist für mich wie ein Magnet.“ Die Tasche mit seiner Ausrüstung steht immer griffbereit. Sobald es im südlichen Oberbayern so richtig ungemütlich wird, muss er einfach raus.
Deshalb sind Unwetter-Warnungen wie die, die der Deutsche Wetterdienst am Dienstag rausgegeben hat, für Warmula ausgesprochen gute Nachrichten. Die Zugrichtung der angekündigten Sommergewitter hatte er schon seit ein paar Tagen im Blick. So macht er das immer. Seinen Standort plant er ganz genau. Eigentlich sind es mehrere Standorte. Denn Warmula jagt mit den Gewittern durch Bayern. Mal lässt er sie über sich hinwegziehen, dann setzt er sich wieder ins Auto und fährt ein Stück weiter – nur um Blitz und Donner auf sich zukommen zu lassen.
So eine Gewitternacht kann schon mal sieben Stunden dauern. Es kommt nicht selten vor, dass Damian Warmula erst am Morgen wieder nach Hause kommt – dafür aber mit einigen hundert Fotos auf der Speicherkarte seiner Kamera. „Natürlich sind nicht alle was geworden“, sagt er. Aber ein paar Motive sind immer dabei, die er auf seiner Facebook-Seite, bei Twitter oder in entsprechenden Portalen veröffentlichen kann. Denn er ist in Bayern nicht der einzige Gewitterjäger. Das ein oder andere Unwetter hat er schon mal mit Gleichgesinnten gejagt. „Das macht die Sache etwas leichter“, erzählt er. „Weil man sich die Aufgaben teilen kann.“ Einer fährt das Auto, einer hat den Radar im Blick. Am liebsten ist er aber allein unterwegs. Nur er, seine Kamera und die Naturgewalten.
Ungefährlich sind die Nächte nicht. „Es gibt immer wieder mal eine gefährliche Situation“, sagt er. Einmal ist ein Blitz 75 Meter von ihm entfernt eingeschlagen. Und das ärgerlicherweise hinter statt vor seiner Kamera. Einmal hat er einen Einschlag in einem Baum aus unmittelbarer Nähe beobachtet. Das sind Momente, in denen er „erstarrt wie ein Reh“, sagt er. Er spürt seinen Puls rasen – und die Naturgewalten mit ihrer vollen Macht. Es ist eine Mischung aus Nervenkitzel und Ehrfurcht, die Warmula bei seinen nächtlichen Ausflügen begleitet.
In der Nacht auf Dienstag hat er sich seit langer Zeit wieder einmal auf den Aussichtsturm in Ebersberg gewagt. Ist nicht ungefährlich – obwohl der Turm einen Blitzableiter hat. Aber die Aussicht ist ihm das Risiko manchmal wert. „Dieses Mal hat mir der starke Regen die Sicht geraubt“, sagt Warmula. Etwa sechs Kilometer von ihm entfernt hat ein Blitz in den Ebersberger Forst eingeschlagen. „Leider außerhalb meines Beobachtungsfensters.“ Ein Foto gibt es also nicht. Aber die Druckwelle hat Damian Warmula am ganzen Körper gespürt.
Seine Familie und seine Freunde beobachten seine Leidenschaft schon lange. Immer wieder hört der 33-Jährige, dass er verrückt sei. Aber damit kann er gut leben. Auch die durchgemachten Nächte sind es ihm wert. Mittwochfrüh hat er noch ein paar Stunden Schlaf bekommen, bevor er in die Arbeit musste. Tagsüber ist Warmula chemisch-technischer Assistent – eine etwas ungefährlichere Angelegenheit. Aber Nervenkitzel-Momente gibt ja genug in seinem Leben.