Viele Autofahrer kommen ins Grübeln, angesichts der Lockangebote der Auto-Industrie mit allerlei unterschiedlichen Umweltprämien. Und viele überlegen, sich von einem gar nicht so alten, aber inzwischen verrufenen Dieselfahrzeug zu trennen. Doch klappt das auch, wenn das alte Auto durch einen Unfall gar nicht mehr fahrtauglich ist? Fragt man bei den Herstellern nach, merkt man schnell, dass sie sich mit Details noch nicht intensiv beschäftigt haben. Daher sollte man sich vorher beim Hersteller oder bei seinem Händler erkundigen – zum Beispiel auch über die Frage, ob man bestimmte Teile vorher verkaufen kann, etwa das Radio oder die Alufelgen. Bisher ist das alles nicht geklärt. Doch man kann abschätzen, was geht und was nicht.
Verschrottung oder Rückkauf
Grob unterscheiden sich zwei Modelle der Verkaufsförderungs-Aktionen:
-Zum einen, was Mercedes und BMW anbieten. Sie nehmen das alte Auto zum Zeitwert in Zahlung und fördern den Kauf des neuen. Der Zeitwert sinkt natürlich nach einem Unfall oder wenn vor der Inzahlungnahme beispielsweise das Radio ausgebaut und verkauft wurde.
-Anders sieht es bei anderen Herstellern aus, die eine – in der Regel deutlich höhere – Prämie zahlen, aber dafür das alte Auto nur zur Verschrottung entgegennehmen – also nicht kaufen. Da dürfte es prinzipiell keine so große Rolle spielen, in welchem Zustand das Fahrzeug ist.
Allerdings stellt sich auch vor einer Verschrottung irgendwann die Frage, ob das alte Auto noch ein Auto ist. Eine völlig ausgeschlachtete Rohkarosse wird mit Sicherheit Schwierigkeiten machen. Denn Zweck der ganzen Aktion ist es, Autos aus dem Verkehr zu ziehen, die wegen ihrer höheren Abgasbelastung stärker zur Überschreitung der Schadstoffgrenzen in den Städten beitragen. Das kann ein Auto, das mit vertretbarem Aufwand nicht mehr in den Verkehr gebracht werden kann, naturgemäß nicht.
Außerdem: Die Verwertung alter Autos hat heute nur zum kleinen Teil mit der guten alten Schrottpresse zu tun. Ein Auto wird zuerst zerlegt. Die säurehaltige Batterie kommt raus, alle Flüssigkeiten und Öle werden entfernt. Dann muss entschärft werden, was später zu einem Feuerwerk führen könnte – also die gesamte Pyrotechnik für Gurtstraffer oder Airbags.
Das alles kostet. Gegenrechnen kann man, was ausgebaut, aufbereitet oder auch gebraucht verkauft werden kann: Lichtmaschinen Anlasser, Räder, das Radio. Das alles hat einen beträchtlichen Wert. Selbst verbeulte Stoßstangen und Kotflügel werden im Internet zum Teil zu erstaunlichen Preisen gehandelt. Das alles entgeht dem Verwerter, wenn im Auto alles Werthaltige bereits fehlt, und ihm nur die vergleichsweise teure Beseitigung oder Wiederaufbereitung von Schadstoffen, Kunststoffen und Metallen bleibt. Diese Kalkulation dürfte nicht aufgehen. Die Autohersteller werden möglichst vollständige Autos einfordern.
Dringende Empfehlung: Der erwartete Zustand und die Ausstattung des zurückzugebenden Autos sollten vorher mit dem Händler abgeklärt und möglichst auch von diesem schriftlich bestätigt werden.
Zur Prämie noch ein Rabatt
Eine weitere Frage ist die nach weiteren Rabatten. Kann man zu den jetzt angebotenen Prämien weitere Nachlässe heraushandeln? Das muss jeder selbst ausprobieren. Spürbare Nachlässe gibt es normalerweise bei Ladenhütern oder Modellen, die bereits in die Jahre gekommen sind. Die Rabatte oder die kostenlose Zusatzausstattung wird dann nicht nur von den Händlern geschultert, sondern von den Herstellern abgesegnet und auch mit finanziert.
Ähnlich ist es jetzt: Bei den angebotenen Prämien steht ein Motiv im Vordergrund: Hersteller wie Händler wollen die Diesel-Diskussion zu Ende bringen, die ihrem Ruf schadet – ganz unabhängig davon, ob der jeweilige Hersteller getrickst hat oder nicht. Und beide werden bereit sein, sehr nah an ihre Schmerzgrenze zu gehen. Unklar ist aber, wie weit die Schmerzgrenze noch von den bisher gewährten Rabatten entfernt ist. Der Spielraum dürfte insgesamt nicht mehr sehr groß sein.
Diesel-Risiko bleibt bestehen
Wenn es um die Schadstoffe geht, sind trotz der gemessenen Mehrbelastung im realen Fahrbetrieb gegenüber Prüfzyklusmessungen moderne Diesel keinesfalls schlechter als Benziner. Denn diese Unterschiede gibt es auch bei Benzinmotoren. Bei Diesel-Autos gelten die Stickoxide als Problemfall. Bei Benzinern ohne Partikelfilter ist es der Feinstaub. Das Risiko, dass man mit einem ordnungsgemäß zugelassenen Auto nicht mehr überall fahren kann, bleibt aber bestehen. Wenn die Partikel-Debatte ähnlich aufkocht wie die um die Stickoxide, ist man auch mit einem Benziner des Baujahrs 2017 nicht mehr sicher.
Es weiß keiner, ob Fahrverbote kommen, wie sie ausgestaltet wären und welche Fahrzeuge davon betroffen sein könnten. Elektroautos bestimmt nicht. Für alle anderen gibt es keine Sicherheit mehr, seit mit der Einführung der Umweltzonen das Risiko eines nachträglichen Betriebsverbots und der damit verbundene Wertverlust allein auf den Schultern der Verbraucher abgeladen wurde.