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von Redaktion

Caracas – Es ist schlimm und könnte noch schlimmer werden für die Menschen im Land mit den größten Ölreserven der Welt. Die Wellen, die der drohende Umbau zur Diktatur durch Präsident Nicolás Maduro schlägt, verdecken fast den Blick auf das Unheil, das bald in einer der größten Staatspleiten der westlichen Hemisphäre enden könnte. Maduros „mano dura“, die harte Hand, hängt auch genau damit zusammen.

Kritisch werde es im Oktober und November, sagt der Chef der Banco Venezolano de Credito, Germán García-Velutini. „Dann sind jeden Monat rund zwei Milliarden US-Dollar zurückzuzahlen.“ Im Moment werde versucht, alles zu Geld zu machen. „Wie wir hier sagen: Sie verkaufen alles bis zur Schwiegermutter“, sagt der oberste Banker eines der bekanntesten Geldinstitute des Landes.

Venezuela wirkt gerade wie ein fragiles Kartenhaus, auch die Finanziers Russland und China werden angeblich nervös. Eigentlich müsste das Parlament grünes Licht geben für den Verkauf der „Juwelen“, zum Beispiel von Ölfeldern in der Orinoco-Region. Aber die von Maduro geschaffene „Volksversammlung“, die das Parlament einfach abgelöst hat, gibt dem Präsidenten mehr Handlungsspielraum. Gegen den Willen der Opposition wurden auch die Goldsreserven mehr als halbiert, von über 360 Tonnen Gold auf geschätzt 170 Tonnen.

Venezuela hat vier Hypotheken, die es nun zu erdrosseln drohen. Der Ölfluch: Das Land hat mit den Quellen etwa am Maracaibo-See die größten Reserven der Welt. Das hat aber auch eine fatale Abhängigkeit geschaffen – 95 Prozent der Exporteinnahmen kommen vom Öl, allein rund zehn Milliarden Dollar vom größten Abnehmer, den USA. Wenn die Vereinigten Staaten plötzlich die Einfuhr stoppen wegen Maduros Marsch in die Diktatur, ist das Land wohl pleite. Zudem sank der Ölpreis stark. Staatliche Misswirtschaft: Tausende Ölarbeiter mit viel Know-how und zu wenig Linientreue wurden gefeuert. Das Militär, das viele Sektoren dominiert, erwies sich als schlechter Unternehmer. Staatlich festgesetzte Preise ließen ganze Branchen kollabieren, weil sich die Produktion nicht mehr lohnte. Korruption: Es kommt nicht von ungefähr, dass die USA gegen mehr als 20 Funktionäre Finanzsanktionen verhängt haben. Konten, auf die US-Behörden Zugriff haben, wurden eingefroren. Viel Geld scheint in dunklen Kanälen zu versickern. Und dann der Benzin-Irrsinn: Der Raffinerie-Komplex Paraguaná gilt von der Kapazität her als der drittgrößte der Welt. Bis zu 950 000 Barrel Öl könnten pro Tag verarbeitet werden. Aber heute werden keine 40 Prozent davon geschafft. So muss Venezuela für mehrere Milliarden Dollar Benzin einführen – selbst vom Erzfeind USA. Georg ismar

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