Der verbal eskalierte Konflikt zwischen den USA und Nordkorea sorgt auch die Finanzmärkte. Die Aktienkurse zeigen seit den ersten scharfen Trump-Worten am Mittwoch nach unten, am Donnerstag durchbrach der Deutsche Aktienindex Dax zum ersten Mal seit März wieder die Schwelle von 12 000 Punkten nach unten. Am Freitag ging es zunächst weiter abwärts, bevor es am Nachmittag wieder deutlich auf über 12 000 nach oben ging. Von Panik ist auf dem Parkett nichts zu sehen. „Die Anleger verkaufen und gehen erst einmal in Deckung“, sagt Oliver Roth, Chef-Händler beim Bankhaus Oddo Seydler.
Nach Berechnungen der Finanzagentur Reuters hat die Krise an den Börsen weltweit für Verluste von insgesamt etwa einer Billion Dollar geführt. Das ist auf den ersten Blick viel, gemessen an einem Gesamtwert aller weltweit notierten Aktien von schätzungsweise 70 Billionen Dollar aber überschaubar. Auf Wochensicht hat der Dax rund drei Prozent verloren. Immer noch liegt er verglichen mit Ende 2016 aber mit mehr als vier Prozent im Plus.
Politische Börsen haben kurze Beine, heißt es in solchen Phasen immer bei den Händlern. Nach ein paar Tagen beruhige sich die Lage wieder, wirtschaftliche Daten und Unternehmensmeldungen rückten wieder in den Vordergrund. Diesmal sind sich die Experten nicht so sicher – weil nicht nur der Diktator in Nordkorea unberechenbar ist, sondern auch, weil keiner weiß, was Trump wieder von sich gibt.
„Die Entwicklung ist schon besorgniserregend“, sagt Roth. „Das hätte man anders handhaben können“, kritisiert er vor allem Trump. Noch aber sehe er keine weitere Eskalation. Auch wenn es an den Finanzmärkten erste Umschichtungen in vermeintlich sichere Häfen gebe, sei die Stimmung immer noch ausgesprochen entspannt, betont Markus Reinwand von Helaba. Dass Kim Jong Un poltert und droht, ist man an der Börse gewohnt, aber nicht, dass ein US-Präsident so undiplomatisch reagiert und für die Zuspitzung der Lage mitverantwortlich ist.
Für die Finanzmärkte wäre eine Verschärfung des Streits fatal. „Kommt es zur militärischen Eskalation, dann reden wir von einem Crash“, sagt Roth. Dann würden die Börsen in Asien am stärksten in Mitleidenschaft gezogen, ergänzt Robert Halver von der Baader Bank. Dass es soweit kommt, glauben Börsianer allerdings nicht. Das Säbelrasseln habe die Finanzmärkte aus ihrer Sommerlethargie gerissen, heißt es bei der Helaba. Seit Wochenmitte hatte der Dax bis Freitagmorgen rund 300 Punkte oder 2,5 Prozent verloren, bevor er sich erholte. In den USA sackte der Dow Jones auf weniger als 22 000 Punkte ab und beendete vorerst seine seit Monaten anhaltende Bergfahrt. Auch in Asien verzeichneten die Märkte ein Minus. Stärkste Verlierer waren in den vergangenen Tagen Bank-Aktien, allerdings auch wegen kritischer Analysen. Die Deutsche Bank rutschte um fünf Prozent ab. Auch die Autowerte verloren weiter, in erster Linie wegen der Diesel-Affäre.
Börsianer sind überzeugt, dass viele Anleger die Situation nutzen, um Gewinne zu realisieren. Schließlich zeigen die Aktienkurse im 9. Jahr hintereinander nach oben. Es dürfte aber auch damit zu tun haben, dass viele erwarten, dass die Korrektur erst einmal anhält. „300 oder 400 Punkte kann es noch nach unten gehen“, sagt Roth. rolf obertreis