Chemnitz – Franck Ribery war irgendwie nicht sonderlich gut drauf, als er am Samstagnachmittag in den Katakomben des Chemnitzer Stadions auftauchte. Der Weg zum Bus ging hinten raus, der Franzose war aber dazu verdonnert worden, noch eine kleine Extrarunde nach vorne zu drehen, um ein paar Worte über das locker-flockige 5:0 des FC Bayern beim Chemnitzer FC zu verlieren. Er tat das widerwillig und schimpfend, bis diese eine Frage kam. Seine Antwort: „Alle haben das gesehen? Das ist ja Wahnsinn!“ Er musste mitlachen.
Es gibt sie ja immer wieder, diese Momente, in denen man Franck Ribery anmerkt, dass sein 34 Jahre alter Kopf gerne weiterhin die schelmischen Ideen eines Teenagers ausheckt. Bei diesem Erstrunden-Pokalkick in Chemnitz hatte es ihn überkommen, als es bereits 3:0 stand, die Partie längst entschieden war und noch gut zehn Minuten auf der Uhr standen. Die Gelegenheit, die sich bot, als er sich den Ball für einen Freistoß zurechtlegte, war zu verlockend, also zupfte Ribery Bibiana Steinhaus kurzerhand den Schnürsekel auf. Der Blick der Schiedsrichterin ging nach unten, erst auf ihren rechten Schuh, dann in das Gesicht von Franck Ribery. Und auch sie: Musste mitlachen.
„Das war lustig. Sie war gut drauf“, erzählte Ribery hinterher, sichtlich erfreut über seinen kleinen Streich. Auch Steinhaus, die in Chemnitz erstmals ein Bayern-Spiel pfiff, konnte ihm nicht böse sein. Sie revanchierte sich noch an Ort und Stelle mit zwei leichten Faustschlägen auf die Schulter, „sie hat viel Kraft“, sagte Ribery. Und er stellte auch noch mal klar: „Ich habe einen großen Respekt für die Schiedsrichter – auch für Damen.“
Natürlich sagt es viel über ein Spiel aus, wenn derartige Nebensächlichkeiten das Thema des Tages sind. Aber immerhin wurden auch die Geschehnisse nach dem kleinen lustigen Flirt nicht ganz außer Acht gelassen. Der Freistoß nämlich, den Ribery von der Strafraumkante zum 4:0 ins Tor versenkte, war nicht nur sehr sehenswert, sondern an diesem Tag auch der zweite von drei Standardtreffern der Bayern (Hummels besorgte das 5:0 nach einer Ecke per Kopf). Ribery rannte zum Jubeln direkt in die Arme des ausgewechselten Robert Lewandowski, der das 1:0 per Freistoß erzielt hatte.
Bereits vor der Partie nämlich hatte der Flügelspieler seinen Vordermann in der Kabine darauf hingewiesen, dass er ein gutes Gefühl habe. „Ich habe gesagt: Lewy, lass mir die Freistöße, ich mache ein Tor“, erzählte Ribery hinterher. Lewandowski ließ das kalt, Ribery schoss erst, als er vom Platz war: „Der Freistoß kommt und ich mache das Tor. Das ist doch Wahnsinn!“ Lewandowski kommentierte: „Er hat das gut gemacht.“
Tatsächlich fällt es auf, dass die Standards der Bayern kurz vor dem Saisonstart zu einer echten Stärke werden. Schon der späte Ausgleich beim nach Elfmeterschießen gewonnenen Supercup fiel nach einem Freistoß. Joshua Kimmich verriet, dass „die, die infrage kommen, regelmäßig direkte Freistöße trainieren. Das hat sich heute ausgezahlt.“ Und Mats Hummels kündigte an: „Mein Kopfballspiel kann noch besser werden.“ In Acht nehmen sollten sich bei ruhenden Bällen ab sofort: Gegner – und Schiedsrichter(-innen). hlr