Bereit für Kaffee mit Sahne

von Redaktion

Eine Woche vor dem Ligastart fügt sich bei Bayern alles zusammen: „Werden viel Spaß haben“

von hanna raif

Chemnitz – Wie schnell Rollen sich ändern können, dafür stand am Wochenende in Chemnitz eine Geschichte exemplarisch. Der große FC Bayern zu Gast beim kleinen Drittligisten, und derjenige, der einst Vorbild war, nun Außenseiter. Bereits am Tag vor dem Gastspiel des Rekordmeisters in der ersten Pokalrunde hatte Daniel Frahn Joshua Kimmich einen Besuch im Mannschaftshotel „An der Oper“ abgestattet, gemeinsam erinnerten sie sich zurück an die Zeiten, in denen Frahn, heute CFC-Stürmer, in Diensten von RB Leipzig ein „Riesenidol“ für den jungen Kimmich war, „der perfekte Kapitän“. Zwei Jahre später drückt das Ergebnis des Erstrunden-Kicks den heutigen Klassenunterschied der beiden Freunde wohl am besten aus. In Worten: Fünf zu null.

Frahns Ankündigung, im Falle einer Pokal-Sensation „nackt durchs Stadion“ zu laufen, drohte zu keiner Zeit Realität zu werden. Und zwar nicht nur, weil er und sein Team viel zu wenig Mut aufbrachten – ein Torschuss stand aus 90 Minuten zubuche –, sondern vor allem, weil auch die Bayern ihre gewohnte Rolle eine Woche vor der Bundesliga-Saisonstart wieder gefunden zu haben scheinen. Der Sieg im Supercup hat die bis dato verkorkste Vorbereitung im Nu vergessen lassen, statt Krisen-Gerede hört man nun Sätze wie: „Es läuft genau nach Plan, wir freuen uns jetzt auf den Bundesliga-Start“ (Hasan Salihamidzic).

Natürlich war die Partie in Chemnitz eine, in der es letztlich nur um die Höhe des Bayern-Sieges ging. Und trotzdem stand am Ende deutlich mehr als das durch die Treffer von Robert Lewandowski (20./60.), Kingsley Coman (51.), Franck Ribery (79.) und Mats Hummels (89.) herausgespielte Resultat. „Ich habe ein sehr gutes Spiel meiner Mannschaft gesehen, die hier mit dem richtigen Spirit aufgetreten ist“, sagte Trainer Carlo Ancelotti. Geduldig trotz zäher Anfangsphase gegen die tief stehenden Gastgeber, dann kreativer und im Kollektiv funktionierend zeigten sich die Bayern. „Es war schon sehr, sehr viel in Ordnung“, sagte Hummels über den Auftritt, der auch die vor zwei Wochen noch besorgten Bosse besänftigte. Uli Hoeneß ließ gestern verlauten: „Ich bin überzeugt, am Freitag werden wir viel Spaß mit unserem Team haben.“

Der Reise nach Chemnitz war die erste wirkliche Trainingswoche vorangegangen. Die Asien-Fahrer, plauderte Hummels aus, seien nach der Heimreise „in einem Loch“ gewesen, und diejenigen, die vom Confed Cup kamen, mussten zunächst nacharbeiten. „Jedes Spiel, jede 90 Minuten, tun uns gut, um als Mannschaft zusammenzuwachsen“, sagte Kimmich.

Dass Ancelotti das Spiel als ernsthaften Test für den wirklichen Ernstfall am Freitag gegen Leverkusen sah, zeigte allein die Aufstellung. Es kristallisiert sich eine erste Elf heraus, in die bis zum Ende der Woche auch die in Chemnitz eingewechselten Rückkehrer Arjen Robben und David Alaba sowie Manuel Neuer wieder integriert werden sollen. Vor allem Robbens Comeback sei „enorm wichtig für die Mannschaft“ (Kimmich). Freilich, Fitness, Spieltempo und Abwehrverhalten sind gegen stärkere Gegner ausbaufähig. „Jeder Einzelne“, sagte Hummels aber, fühle, dass man sich auf dem richtigen Weg befinde.

Die beiden Neuzugänge Niklas Süle, der als Innenverteidiger neben Hummels im Moment gesetzt ist, und Sebastian Rudy, der als Sechser die Nase vor Arturo Vidal hat, haben sich im Schnelldurchlauf integriert. Zudem funktioniert Kimmich als Erbe von Philipp Lahm bestens. Der neue Rechtsverteidiger gab zu, dass er schon jetzt „eine andere Sicherheit, ein anderes Gefühl für die Position“ habe als im Vorjahr, wo er mehr Reservist als Stammspieler war. Ständige Positionswechsel haben ihn verunsichert, nun aber ist seine Rolle klar definiert.

Sie lautet: Hoffnungsträger für eine Saison, in der nicht nur Kimmich auf die Titel in „Meisterschaft, Pokal und Champions League“ hofft. Das wäre die „Sahne auf dem Kaffee“, sagte Hoeneß. In etwa so süß, wie für Daniel Frahn der Zweitliga-Aufstieg.

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