Bergwacht

von Redaktion

Von tanja Brinkmann

Garmisch-Partenkirchen – Unerträglich muss die Zeit gewesen sein, die ein Bergsteiger am Sonntagmittag auf Hilfe wartete. Unerträglich, weil sein Freund leblos gut 80 Meter unter ihm im Fels lag. In Sichtweite. Der 29-Jährige wollte hinunter zu ihm, helfen – und musste doch tatenlos im Bereich Oberkar unterhalb der Alpspitze ausharren.

„Andere Bergsteiger haben ihm noch zugerufen, dass er sich bloß nicht bewegen soll“, sagt Thomas Abold, Einsatzleiter der Bergwachtbereitschaft Garmisch-Partenkirchen. Zum Glück. Denn beim Eintreffen der Retter drohte der junge Mann beinahe ebenfalls abzustürzen.

Ihn konnten die Einsatzkräfte – neben Abold und seinen drei Kollegen waren drei Retter der Bergwacht München, die am Hochalmsattel ihren Dienst verrichteten, vor Ort – unverletzt ins Tal bringen. Dort wurde er von Experten des Kriseninterventionsdiensts betreut. Für seinen Begleiter kam allerdings jede Hilfe zu spät. Nachdem der Notarzt, der zum Team des Reuttener RK-2-Hubschraubers gehörte, den Tod des 27-Jährigen feststellte, wurde er mit dem Helikopter der Polizei geborgen.

Die Männer aus dem Raum München hatten sich laut Polizei gegen 7 Uhr aufgemacht, um die Alpspitze zu besteigen – von Hammersbach aus über den Jäger- und dann den Nordwandsteig hinauf auf den 2628 Meter hohen Gipfel. Dabei wurde ihnen aber zum Verhängnis, dass sie sich im Oberkar Richtung Ostgrat verstiegen hatten. Anstatt dem Steig folgten sie der Sprengbahn, bis sie schließlich merkten, dass sie in dem extrem steinschlaggefährdeten Gelände nicht mehr weiterkommen. Beim Versuch umzukehren, passierte der tragische Unfall.

Gegen 12.15 Uhr alarmierten Wanderer, von denen gestern zahlreiche im Alpspitz-Gebiet unterwegs waren, die Retter. Der Einsatz forderte vor allem dem Piloten einiges ab, da der Abgestürzte direkt unter den Seilen der Sprengbahn lag. Letztlich gelangten die Retter aber an die Unglücksstelle, mussten aber schnell feststellen, dass sie für den 27-Jährigen nichts mehr tun konnten. Zwei Bergführer der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen waren somit gefragt, um den Toten ins Tal zu bringen und sich vor Ort ein Bild zu machen.

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