Das nächste Mal: deutsche Hymne

von Redaktion

Die Zehnkämpfer wollen dem Franzosen Mayer 2018 nicht mehr den Vortritt lassen

Von Andreas Schirmer

London – Schon kurz nach der Zehnkampf-Siegerehrung forderte Rico Freimuth den französischen Weltmeister Kevin Mayer heraus. „Da bin ich zu ihm gegangen, habe auf seine Goldmedaille gezeigt und gesagt: Bronze und Silber habe ich schon, nun will ich auch die“, berichtete der 29-Jährige vom SV Halle nach seinem WM-Platz zwei mit 8564 Punkten. „Man muss sich immer neue Ziele setzen. Ich bin bereit zum nächsten Karriereschritt.“

Das ist auch Kai Kazmirek, der mit 8488 Punkten WM-Bronze und seine erste internationale Medaille gewann. „Ich habe das nicht für möglich gehalten, es ist unglaublich“, sagte der 26-jährige Polizeikommissar nach der „Nacht der Deutschen“. Bronze und Silber bei einer WM gewannen zuvor nur Jürgen Hingsen und Siegfried Wentz vor 34 Jahren. Bei der Heim-EM 2018 in Berlin möchte Kazmirek nicht wieder die französische Hymne hören: „Warum nicht die deutsche?“

Für ihn war es ein Kampf, bei dem „Zweifel und Zuversicht am Schwanken“ gewesen seien. „Der wichtige Moment war der Stabhochsprung, als die fünf Meter geklappt hatten“, erklärte der Athlet von der LG Rhein-Wied. „Sonst wäre es nicht Bronze, sondern der vierte Platz gewesen.“ Allerdings bedurfte es vor dem finalen 1500-Meter-Lauf noch einer harschen Aufmunterung seines deutschen Mitstreiters. „Kai, mein Junge, jetzt be-straf’ dich mal so richtig“, sagte Freimuth.

Vor zwei Jahren bei der WM in Peking, wo er Bronze holte, wäre er zu so einer Hilfestellung nicht in der Lage gewesen. „Damals war ich noch ein ganz anderer Typ, hatte immer schlechte Laune, habe fast angefangen zu heulen und stand mega unter Stress“, berichtete Freimuth. „Für den Kopf war es diesmal einfacher.“

Der flotte Start über 110 Meter Hürden in 13,68 Sekunden („Das war ein Kracher“) hat Freimuth beflügelt und der mäßige Diskuswurf über 51,17 Meter nicht aus der Bahn geworfen. Dass Mayer beim Stabhochsprung die wichtigen 5,10 Meter im dritten Versuch doch noch schaffte, freute ihn. „Ich wollte so nicht gewinnen“, meinte Freimuth, der 2016 drei Zehnkämpfe vorzeitig wegen Verletzungen aufgeben musste – auch bei Olympia in Rio.

Nun soll es nur aufwärts und in neue Dimensionen gehen. „Wenn ich an den technischen Defiziten arbeite, kann ich 8700 Punkte machen“, meinte der BWL-Student. Dann will er die Bestleistung von 8794 Punkten seines Vaters Uwe, 1983 WM-Vierter im Zehnkampf, übertreffen. Nach schweren Jahren haben sie sich ausgesöhnt: „Mein Vater gönnt es mir jetzt ganz richtig.“

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