Horst Seehofer hat die Allgäuer Festwoche eröffnet und bei der Gelegenheit, wie erfreulich, eine Lanze für die Humanität gebrochen. Erstaunlich klar kritisierte er Ermittlungen gegen Pfarrer, die Flüchtlingen Kirchenasyl gewähren. Diese „radikalen Schritte“ seien nicht gerechtfertigt. Die Pfarreien hätten seine Unterstützung.
Das ist nicht nur erwähnenswert, weil die anderen Wahlkämpfer das Flüchtlingsthema bewusst umschiffen. Sondern vor allem, weil Seehofer sich damit gegen die gängige Praxis in Bayern stellt, zu Recht. Zunehmend werden Fälle bekannt, in denen Staatsanwaltschaften gegen Geistliche wegen „Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt“ ermitteln. Dabei haben sich Kirchen und Bund schon 2015 darauf geeinigt, das Kirchenasyl zu respektieren. Bayerns Sonderweg bricht damit – ohne Not. Denn die niedrigen Fallzahlen belegen doch, dass die Pfarreien verantwortlich mit dem Kirchenasyl umgehen. Sie verstecken Flüchtlinge nicht, sondern suchen nach Wegen der Einigung.
Dass der Ministerpräsident nun Bayerns Vorgehen mit anderen Bundesländern abgleichen will, mag entschlossen klingen, ist aber überflüssig. Schließlich gibt es, wie gesagt, eine Einigung auf Bundesebene. Stattdessen sollte er bei seinem Justizminister nachfragen, warum sich Geistliche im Freistaat durch Ermittlungen eingeschüchtert fühlen müssen. Human ist das jedenfalls nicht.
Marcus Mäckler
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