Ovationen für die tapferen Verlierer

von Redaktion

DFB-Pokal: Löwen bereiten Zweitligisten Ingolstadt große Probleme, scheitern aber knapp mit 1:2

VON ARMIN GIBIS

München – Es war fast wie bei einer Ehrenrunde nach einem großen Sieg: Noch Minuten nach der Partie wurden die Spieler des TSV 1860 im Grünwalder Stadion mit stehenden Ovationen gefeiert. „Die Fans sind der Wahnsinn, da kriegst du Gänsehaut“, sagte Timo Gebhart. Allerdings hatte dieser schöne Sonntagnachmittag einen Schönheitsfehler: Im Pokalkampf gegen den Zweitligisten FC Ingolstadt 04 waren die Sechziger mit 1:2 (0:1) als Verlierer vom Platz gegangen. Ingolstadts Trainer Maik Walpurgis sagte erleichtert: „Es wurde am Ende extrem schwer für uns, ich bin froh, dass wir weitergekommen sind.“ Sein Kollege Daniel Bierofka meinte: „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben alles probiert.“

Ihre Ovationsbereitschaft hatten die Münchner Zuschauer schon früh unter Beweis gestellt. Nach nur drei Minuten wurde – ohne konkreten Anlass – im Chorgesang die Aufforderung „Steht auf, wenn ihr Löwen seid!“ angestimmt, worauf sich ein Großteil der 12 500 Zuschauer aus den Sitzschalen erhob. Die Stimmung war also wieder einmal prächtig im so heißgeliebten Grünwalder Stadion. Und zusätzlich aufgeheizt wurde das Giesinger Flair von umstrittenen Pfiffen des Schiedsrichters Tobias Stieler, die mit heftigen Schmähungen quittiert wurden. Der Pokal hat eben auch seine eigene Lautstärke.

Und die hielt selbst dann an, als die Sechziger einen Dämpfer hinnehmen mussten. Angesichts des am rechten Strafraumeck auftauchenden Dario Lazcano sah sich Torhüter Alexander Strobel veranlasst, dem Paraguayaner entgegen zu sprinten. Diese übereilte Aktion hätte er jedoch besser bleiben lassen. Denn Lezcano, der sich nicht unbedingt in Schussposition befand, konnte den Ball nun locker ins leere Tor lupfen: 0:1 nach 20 Minuten.

Trotz des Torgeschenks zeigten sich die Löwen unerschütterlich. Auch wenn nicht zu übersehen war, dass von den Ingolstädtern der Ball mit gepflegter Zweitligatechnik durch die Reihen befördert wurde und diesem spielerischen Plus einige gute Chancen entsprangen. Doch die Münchner Regionalliga-Elf hielt energisch dagegen, erkämpfte sich gar die Möglichkeit zum Ausgleich. Kilian Jakob (36.) hob die Kugel über Torhüter Örjan Nyland, doch Hauke Finn Wahl rettete kurz vor der Linie.

Der Bundesliga-Absteiger hatte seine Liebe Mühe mit der Münchner Verbissenheit. Und mit fortlaufender Spieldauer sahen sich die Gäste sogar gezwungen, zu derberen Mitteln zu greifen. Worunter vor allem der immer wieder unfair gestoppte Spielmacher Timo Gebhart zu leiden hatte. Doch eben solch eine Situation führte dazu, dass die Partie zu einem echten Pokalkampf auf Augenhöhe wurde. Nach einem erneuten Foul an Gebhart zirkelte Freistoßschütze Nicolas Andermatt den Ball in den Strafraum – Felix Weber (66.) verlängert die Vorlage zum 1:1 ins Netz. Ein Ereignis, das im Stadion einen gewaltigen Freudentaumel auslöste.

Nun ging es rauf und runter in der Achterbahn der Gefühle, Ingolstadt überfiel das große Zittern – auch vor dem Münchner Tor, wo Keeper Strobel zunächst seinen Patzer mit zwei Glanzparaden wieder gut machte. Doch letztlich war es erneut der Österreicher, der den Ingolstädtern beim Toreschießen assistierte. Seine Attacke gegen Lezcano wurde mit Elfmeter (84.) bestraft, Stefan Kutschke vollstreckte zum 1:2. Sechzig fightete unverdrossen weiter, „wir haben gekämpft bis zum Umfallen“, meinte Gebhart. Ingolstadts Kapitän Marvin Matip belobigte die Verlierer: „Das war ein sehr, sehr guter Regionalligist, der alles reingeworfen hat.“

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