Gesa Krause sprach auch noch am Tag danach von einem „Trauma“. Die Europameisterin hatte bei der WM in London das chaotischste 3000-m-Hindernis-Rennen ihrer Karriere erlebt: Ein Sturz beendete am Freitagabend all ihre Medaillenträume – sie wurde am Ende nur Neunte. „Ich bin am Boden zerstört, nicht zeigen zu können, was wirklich in mir steckt. Ein Jahr Arbeit für den gestrigen Tag hat sich nach einem unverschuldeten Sturz in Luft aufgelöst“, schrieb Krause am Samstag auf ihrer Facebook-Seite. „Es bringt mich zum weinen, macht mich wütend und bricht mir das Herz, aber das genau ist Hindernislauf.“
In ihrem dritten WM-Finale war sie erst nach 9:23,87 Minuten ins Ziel gekommen. Bei der WM vor zwei Jahren in Peking hatte sie mit Bronze überrascht. Gold gewann diesmal unerwartet die Amerikanerin Emma Coburn in 9:02,58 Minuten vor ihrer Teamkollegin Courtney Frerichs (9:03,77). Bronze holte die Titelverteidigerin und Olympia-Zweite Hyvin Kiyeng Jepkemoi aus Kenia. Krause landete abgeschlagen im Feld, war aber dennoch stolz, „dass ich noch durchgelaufen bin“.
Das Unheil hatte bereits auf dem ersten Kilometer begonnen, als die Jahresbeste und Führende Celliphine Chepteek Chespol aus Kenia am einem Wassergraben vorbeilief – und umkehrte. Kurz danach gehörte Krause zu jenen Läuferinnen, die plötzlich auf der Bahn lagen. „Ich habe leider einen Schlag auf den Kopf bekommen“, sagte sie unmittelbar nach dem Rennen. „Das ist schwer zu verkraften. Ich habe das ganze Jahr dafür trainiert.“ Die Ausdauerspezialistin wollte beim Saisonhöhepunkt eigentlich ihren am 5. Mai in Doha aufgestellten deutschen Rekord von 9:15,70 Minuten unterbieten – an die Zeit der beiden Amerikanerinnen wäre sie wohl nicht herangekommen. Noch läuft das Chaos-Rennen von London in Krauses Kopf „in Dauerschleife“. Doch sie sagt: „Ich weiß, dass ich wieder aufstehen und angreifen werde, wenn die Wunden geheilt sind.“ dpa