Unterhaching – Im modernen Fußball ist Vielseitigkeit hochgeschätzt. In Haching schlägt sich das gar in den Talenten des Co-Trainers Steffen Galm nieder. Als der Aufstieg in die Dritte Liga fix war, komponierte er, gekonnt, den Carpendale-Schlager „Hello again“ um. Am Samstag, als das 0:4 gegen den FC Heidenheim das Pokal-Erstrunden-Aus bedeutete, dudelte Konstantin Wecker über die Stadionboxen: „So a saudummer Tag“. Und Galm trat vor der Trainerbank ein paar ramponierte Rasenstücke zurecht.
Dass sich der Co-Trainer in dem Moment nicht als Barde, sondern als Greenkeeper gefordert fühlte, sollte als Leitmotiv gelten. Claus Schromm meinte, man sei auf ganz ähnliche Art wie in den ersten Saisonspielen bestraft worden: „Nur vier Punkte, da war mehr drin – und dieses Pokalspiel kann in die gleiche Tonne rein. Wir müssen schnell lernen“, sagte der Chefcoach. Darum: Rasen herrichten, weiter. Nicht lange verharren.
Das Ergebnis fiel zu deutlich aus. Mit etwas Glück hätte man mit einem 0:0 die Pause erreicht, doch das 0:1 in der 44. Minute war der erste Nackenschlag. In der 65. Minute folgte der Todesstoß, als Stefan Schimmer den enteilten Marnon Busch mit einer Grätsche niederstreckte, die „man nur macht, wenn man hochmotiviert sein erstes Pokalspiel macht“, so Schromm, „da hatte Stefan eine Idee, tja, dann war der Deckel drauf“. Die Tore fielen zwangsläufig. „Gegen einen ambitionierten Zweitligisten wird es zu zehnt schwer“, so Dominik Stahl.
Schromms Plan, Sascha Bigalke zugunsten einer Doppelspitze Schimmer/Stephan Hain zunächst draußen zu lassen, lief kolossal schief. Heidenheims Trainer Frank Schmidt zeigte sich zwar überrascht („in unserer Analyse war viel Bigalke drin, auf dem Platz dann eher wenig“), doch sein Hachinger Kollege packte sich an die eigene Nase: „Im Nachhinein ist man oft schlauer.“ Er hätte sogar die Chance zur Korrektur gehabt, doch statt des pumpenden Schimmer nahm er Alexander Piller für Bigalke raus. So nahm alles seinen Lauf.
„Wir haben uns dämlich angestellt“, meinte Stahl, „wir müssen unsere Naivität abstellen.“ Als großes Problem zeichnet sich ab, dass die Hachinger körperlich oft unterlegen sind. Die ersten beiden Treffer fielen durch Standards – nicht zum ersten Mal waren die „Rot-Blauen“ da schwach auf der Brust. „Wir brauchen jedes Gramm mehr, da heißt es jetzt fleißig essen, zulegen, groß und stark werden“, sagte Schromm. Vielleicht schlummert im Assistenten Galm ja auch ein guter Koch, der Unterhaching zu (Über)gewicht verhilft. andreas Werner