Spiel auf Zeit um 130 Millionen

von Redaktion

Dembélé bleibt in Dortmund vorläufig suspendiert, wird aber individuell trainieren dürfen – Barcelona holt Brasilianer

Von Alexander Sarter und Nicolas Reimer

Dortmund – Es gibt kein Zurück. Zumindest vorerst nicht. Ousmane Dembélé fehlte am Sonntagmorgen im Sonnenschein erneut beim Training von Borussia Dortmund – der Klub hätte seinem bockigen Talent ohnehin den Weg versperrt. Der Verein hat auch kaum eine andere Wahl: Er erhält die Suspendierung des 20-Jährigen, der mit einem Streik seinen Wechsel zum FC Barcelona erzwingen will, „bis auf Weiteres“ aufrecht. Eine Reintegration ist schwer vorstellbar.

Auf einem Gipfeltreffen nach dem lässig-leichten 4:0 (2:0) beim 1. FC Rielasingen-Arlen in der ersten Runde des DFB-Pokals legten Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Peter Bosz die gemeinsame Linie fest. Am Sonntag wurde sie kurz und knapp verkündet.

Für beide Seiten ist es ein Spiel auf Zeit: Ein neues, für den BVB angemessenes Angebot aus Spanien kann die vertrackte Lage innerhalb kürzester Zeit auflösen – oder die Schließung des Transferfensters am 31. August. Bis dahin, sagt Zorc, bestehe für den jungen Franzosen „selbstverständlich die Möglichkeit, ein individuelles Training abseits der Gruppe zu absolvieren“.

Erhöht der FC Barcelona sein Angebot nicht auf mindestens 130 Millionen Euro, werden sich der BVB und Ousmane Dembélé wohl oder übel wieder aneinander gewöhnen müssen. Die Katalanen stehen unterdessen vor der Verpflichtung von Paulinho. Für den Brasilianer überweist Barcelona 40 Millionen Euro an den chinesischen Meister Guangzhou Evergrande, Trainer Luiz Felipe Scolari wünschte bereits „alles Gute“, es sei „eine Ehre, dass Barcelona so viel bezahlt“. Paulinho spielte bis 2015 für Tottenham. In der Selecao lief er 41 Mal auf.

Dembélé selbst hat unterdessen sehr eindeutig dokumentiert, dass der Verein der „Echten Liebe“ für ihn nur ein Sprungbrett ist. Die Dortmunder Verantwortlichen sind das Thema leid. „Unser Fokus liegt jetzt auf einer konzentrierten Vorbereitung auf den Bundesliga-Auftakt“, sagte Zorc. Die Sehnsucht nach Ruhe steigt. Doch Pierre-Emerick Aubameyang konnte so viele Tore schießen, wie er wollte – im Mittelpunkt stand er ausnahmsweise nicht. Es ging nur um Dembélé. Bevor der Teambus in Freiburg vom Parkplatz rollte, ließ Nuri Sahin durchblicken, dass sich die Mannschaft in die Diskussion einbringen will: „Wir werden unsere Sicht erläutern.“

Aubameyang hatte sich redlich um Ablenkung bemüht. Mit seinem Dreierpack (41./Foulelfmeter, 55. und 80.) stieg der Gabuner zum erfolgreichsten ausländischen Spieler der Vereinsgeschichte auf. Er löste mit 124 Pflichtspieltoren Stéphane Chapuisat ab. Neben dem Torjäger traf Marc Bartra (12.) vor 24 000 Zuschauer im ausverkauften Schwarzwaldstadion. Das Fehlen der Stars Mario Götze, Marco Reus, Raphael Guerreiro, Julian Weigl, Marcel Schmelzer, Erik Durm, Christian Pulisic und Sebastian Rode machte sich beim Sechstligisten nicht bemerkbar. Gefeierter Mann im Stadion war Dortmunds Ersatztorhüter Roman Weidenfeller. Als Dennis Klose, Schlussmann des FC Riesalingen-Arlen, nach 68 Minuten einen Krampf bekam („Ich habe mein Tape um die Stutzen zu eng geklebt“), ließ Weidenfeller ihm ein Magnesium-Gel zukommen. Klose: „Sehr nett von ihm, dafür bedanke ich mich.“

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