„Wir sind im grünen Bereich“

von Redaktion

Bundeswahlleiter Dieter Sarreither über die Vorbereitungen der Bundestagswahl und mögliche Hacker-Angriffe

Wiesbaden – Bundeswahlleiter Dieter Sarreither steckt in der heißen Phase der Vorbereitungen für die Bundestagswahl am 24. September. Bislang laufe alles nach Plan. Bis zur Abstimmung stehen noch umfangreiche Tests an, etwa für eine sichere Datenübermittlung bei Stromausfall.

-Herr Sarreither, wie weit sind die Vorbereitungen?

Wir sind im grünen Bereich. Inzwischen ist klar, dass 42 Parteien zur Wahl antreten wollen. Ab jetzt können in den Wahlkreisen die Stimmzettel gedruckt werden. Wir starten nun eine intensive Test- und Übungsphase und schauen uns unter anderem die Technologien für die Datenübermittlung von den Landeswahlleitern noch mal ganz genau an. Hier geht es darum, mögliche Risiken etwa durch Stromausfall zu erkennen und zu vermeiden. Außerdem haben wir unseren Internetauftritt überarbeitet, der auch die Anforderungen von Tablets und Smartphones erfüllt. Damit kann jeder am Wahlabend mobil auf das Ergebnis in seinem Wahlkreis schauen.

-Könnte die Wahl von Computerhackern angegriffen werden?

Eine Attacke könnte die Veröffentlichung des vorläufigen Wahlergebnisses schlimmstenfalls verzögern. Die Ergebnisse aus den Wahllokalen werden in der Regel per Telefon an die Gemeinde und dann an den Kreiswahlleiter gemeldet. Weiter geht es zum Landeswahlleiter und schließlich zu uns über interne, verschlüsselte Verbindungen. Die geprüften Ergebnisse für jeden ausgezählten Wahlkreis veröffentlichen wir im Internet. Auch hier haben wir uns in Abstimmung mit dem Bundesamt für die Sicherheit der Informationstechnik auf mögliche Angriffe vorbereitet.

-Bei der US-Wahl standen die Sozialen Medien stark im Fokus. Wie sehen Sie dies für Deutschland?

Die Sozialen Medien zählen zu den Herausforderungen. Auch hier besteht die Gefahr, dass Fake News im Wahlkampf auf die Wahlentscheidung wirken könnten. Politik und die Medien sollten Vorsorge treffen und Informationen sehr sorgfältig prüfen. Sollte die Wahl selbst Opfer von gezielt platzierten Falschinformationen im Netz werden, etwa dass die Wahllokale angeblich schon um 16 Uhr schließen, dann reagieren wir über alle uns zur Verfügung stehenden Kanäle, auch über unseren zertifizierten Twitteraccount.

-Bei der US-Wahl hatte es Hinweise gegeben, wonach Wahlautomaten anfällig für Hackerangriffe seien. Wie stehen Sie zu dieser Technologie?

Wahlautomaten sind für Deutschland ein Zukunftsprojekt, bei dem es sich lohnt, es weiterzuentwickeln. Dabei ist aber zu bedenken, dass die Technik die strengen Wahlvorschriften erfüllen muss. Dazu gehört neben der Öffentlichkeit der Wahl, dass das Wahlgeheimnis gewahrt bleibt.

-Wie erlebt ein Bundeswahlleiter den Wahltag?

Ich bin am 24. September im Reichstagsgebäude, wo wir ein Rechenzentrum aufgebaut haben. Ein wichtiger Termin ist am Vormittag, gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Wahllokal zu besuchen und stellvertretend den ehrenamtlichen Wahlhelfern zu danken.

-Und gegen Abend?

Um 18 Uhr stehe ich wie alle anderen auch vorm Fernseher und schaue Prognosen und Hochrechnungen an. Die Stunde des Wahlleiters kommt ja immer dann, wenn das Wahlergebnis eng wird. Ich bleibe natürlich wach und verkünde noch in der Nacht das vorläufige Ergebnis.

Interview: Andrea Löbbecke

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