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Airberlin pleite: Was Passagiere wissen müssen

von Redaktion

Von Theresa Münch, Bernd Röder, Christian Ebner und Steffen Weyer

Berlin – Airberlin schreibt zwar seit Jahren tiefrote Zahlen. Doch der starke arabische Partner Etihad hielt die deutsche Airline in der Luft. Jetzt steigt Etihad aus, Airberlin muss Insolvenz anmelden.

-Was passiert mit meinen gebuchten Flügen?

Wer jetzt mit Airberlin im Urlaub ist, muss sich um den Rückflug laut Fluggesellschaft keine Sorgen machen. Alle Flüge von Airberlin und der Tochter Niki fänden weiter statt, versichert das Unternehmen. Gebuchte Tickets bleiben gültig. Auch neue Airberlin-Flüge kann man buchen. Sichergestellt wird das durch einen 150-Millionen-Euro-Kredit der Bundesregierung.

-Wie lange reicht das Geld aus, um in der Luft zu bleiben?

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) geht davon aus, dass der Flugbetrieb für ungefähr drei Monate gesichert ist.

-Und danach?

Der Kredit soll den Rahmen für eine Übernahme schaffen. Denn allein sieht sich Airberlin nicht mehr überlebensfähig. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft schreibt schon seit 2008 Verluste. So schlecht wie im vergangenen Jahr war es aber nie: Rund 782 Millionen Euro Verlust, ein Schuldenberg von knapp 1,2 Milliarden Euro.

-Welche Rechte haben Fluggäste bei einer Insolvenz?

Am schlechtesten ist die Situation für Reisende, die direkt einen Flug bei Airberlin gebucht haben. Sie gehören dann zur großen Zahl der Gläubiger. Der Kunde sei dann nur einer von vielen, Vorrang hätten die großen Gläubiger wie der Großaktionär Etihad, sagt Felix Methmann von der Verbraucherzentrale Bundesverband. Besser sieht es bei Pauschalreisen aus, weil dann der Reiseveranstalter Ansprechpartner ist. Auch wer in einem Reisebüro gebucht hat, ist in der Regel abgesichert.

-Warum kommt die Insolvenz gerade jetzt?

Jahrelang hat der arabische Großaktionär Etihad Airberlin mit Finanzspritzen in der Luft gehalten. Jetzt aber habe Etihad mitgeteilt, „dass sie nicht mehr beabsichtigt, Airberlin finanziell zu unterstützen“, teilte die Fluggesellschaft mit. Am vergangenen Mittwoch habe der arabische Partner eine vereinbarte Kredittranche in Höhe von 50 Millionen Euro nicht überwiesen, hieß es aus Unternehmenskreisen. Am Freitagabend habe Etihad dann mitgeteilt, dass sie nicht mehr helfen wollten.

-Wie begründet Etihad das?

Das Geschäft Airberlins habe sich rapide verschlechtert, teilte Etihad mit. Dadurch könnten „entscheidende Herausforderungen nicht bewältigt und alternative strategische Optionen nicht umgesetzt werden“. Etihad könne unter diesen Umständen die eigenen Verbindlichkeiten nicht erhöhen. Damit hält der Großaktionär seine bisherige Zusage nicht ein. Noch im April hatte Etihad schriftlich versichert, Airberlin weitere 18 Monaten finanziell zu unterstützen.

-Was ist das Ziel der Insolvenz?

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung zielt darauf, das Unternehmen weiter am Leben zu erhalten. Es soll nicht abgewickelt werden, stattdessen soll der Flugbetrieb in einer soliden neuen Struktur weitergehen. Der bereits begonnene radikale Umbau soll fortgeführt werden. Erster Anwärter auf die Übernahme von Teilen Airberlins ist die Lufthansa, aber nur, wenn die Schulden zuvor getilgt sind.

-Warum springt die Bundesregierung einem Unternehmen so bei?

Das hat sicherlich auch mit der anstehenden Bundestagswahl zu tun. Bilder von Urlaubern, die von ihrem Ferienort nicht mehr zurückkommen, hätten niemandem in der Bundesregierung gefallen. Airberlin hat trotz Krise bei vielen Deutschen immer noch einen guten Namen. Die Bundesregierung sichert mit ihrem Kredit einen halbwegs geregelten Übergang – in der Hoffnung, dass Lufthansa Teile übernimmt.

-Welches Interesse hat die Lufthansa an einer Übernahme weiterer Unternehmensteile?

Die Lufthansa würde mit der Übernahme eines Großteils von Airberlin ihre wichtigste Rivalin aus dem Inland schlucken – und könnte ihre eigene Billigtochter Eurowings stärken. Der Kranich-Konzern hat bereits sehr gute Erfahrungen bei der über Leasing organisierten Teil-Übernahme von 38 Flugzeugen für ihre Töchter Austrian und Eurowings gemacht. Vor allem die 17 Langstreckenjets, die vorwiegend ab Düsseldorf unterwegs sind, wären für die Tochter Eurowings interessant. Der Vorteil des Deals: Lufthansa bekäme Flieger und Personal, aber nicht die Verwaltung und Tarifverträge von Airberlin. Denn bei Eurowings verdienen vor allem die Piloten deutlich weniger.

-Hätte das Kartellamt etwas dagegen?

Aus Sicht von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wäre eine Übernahme kartellrechtlich unproblematisch, weil es nur um Teile des Geschäfts gehe.

-Was bedeutet der Schnitt für die Beschäftigten der Airberlin?

Airberlin hatte zuletzt rund 8500 Beschäftigte. Bei den Gewerkschaften schrillen alle Alarmglocken, denn bei einer Zerschlagung drohen nicht nur Entlassungen während des Insolvenzverfahrens. Zwar kann sich das fliegende Personal relativ sicher sein, auch künftig gebraucht zu werden. Es fragt sich nur, zu welchen Arbeitsbedingungen. Offenbar soll neben der Lufthansa mindestens ein weiterer Investor zum Zuge kommen. Ein Übergang des kompletten Betriebs wird daher nicht möglich sein.

mit Material von afp

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