Schlauchboot-Unfall

Auf reißender Isar gekentert

von Redaktion

von Aglaja Adam

Straßlach – Noch einmal Glück hatten die fünf Schlauchbootfahrer, die am Montag trotz Hochwassers auf der Isar mit ihrem Schlauchboot unterwegs waren und an einem Baum hängen blieben. Ihr Unfall ging glimpflich aus. Es waren aber insgesamt 79 Retter von Wasserwacht, Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienst im Einsatz, um die Gruppe zu bergen.

Das Pärchen aus Holzkirchen (Landkreis Miesbach), beide 34 Jahre alt, und drei Freunde aus Nordrhein-Westfalen, 24, 21 und 15 Jahre alt, war gegen 10.30 Uhr in Wolfratshausen Richtung München zu einer Schlauchboot-Tour aufgebrochen. Mit an Bord: Zwei Hundewelpen. Sie hätten sich bei einem vorbeifahrenden Kanufahrer nach der Sicherheit erkundigt, sagte einer von ihnen gestern der „tz“: „Die Isar sei befahrbar, nur auf das Treibgut sollten wir aufpassen.“

Auf nicht einmal halber Strecke prallte das Schlauchboot nach zwei Stromschnellen gegen 14.40 Uhr bei Straßlach-Dingharting (Kreis München) auf einen treibenden Baum und kenterte. Der 34-jährige Holzkirchner fiel ins Wasser, trieb zum Ufer und hielt sich an einem Strauch fest. Die anderen vier Mitfahrer klammerten sich an das Boot, das sie nicht mehr von dem Baumstamm befreien konnten. Ein Fußgänger bemerkte die Notlage und alarmierte die Polizei.

„Es war ein sehr aufwendiger Einsatz“, berichtet Michael Welzel, Stellvertretender Leiter der Kreiswasserwacht München. Neben der Wasserwacht waren Feuerwehren aus München, Straßlach, Baierbrunn, Pullach und Unterschleißheim vor Ort. Das Boot befand sich in völlig unzugänglichem Auengebiet. „Mit Booten war es schwierig, an die Unfallstelle zu kommen.“ Zwei Hubschrauber, der Rettungshubschrauber Christoph 1 und ein Polizeihubschrauber, eilten zur Hilfe. Mit der Winde wurden die vier Schiffbrüchigen samt der Hunde zunächst auf eine Kiesbank gehoben. Rettungskräfte brachten sie von dort ans Ufer. Der 34-Jährige wurde mit einem Rettungsboot geborgen. Die 24-Jährige musste wegen Schocks und Verdachts auf Unterkühlung ins Krankenhaus.

Trüb und braun fließt die Isar momentan dahin, mit hoher Geschwindigkeit. Ganze Baumstämme und anderes Treibgut schwimmen im Wasser. „Das sind Warnhinweise, das Boot zu Hause zu lassen und nicht baden zu gehen“, sagt Welzel. „ Es ist immer noch lebensgefährlich.“ Die heftigen Regenfälle der vergangenen Woche und der Abfluss aus dem Sylvensteinspeicher erhöhten den Wasserstand: „Wir warnen seit einer Woche eindringlich.“

Die Gefahren des Hochwassers kennt Monika Heidl-Seitner, Junior-Chefin der Flößerei Franz Seitner aus Wolfratshausen: „Wir sind von Donnerstag bis Montag nicht aufs Wasser.“ Seit gestern finden wieder Touren statt. Auch wenn Touristen enttäuscht über den Ausfall seien: „Sicherheit geht vor.“ Das wünsche sie sich auch von Freizeit-Bootfahrern: „Aber es ist jedermanns eigene Verantwortung.“ Ein Verbot für Schlauchbootfahrten gibt es nicht, bestätigt Polizeisprecher Wolfgang Behr. Einsätze wie am Montag werden deshalb nicht in Rechnung gestellt.

Ein Beinahe-Unglück ereignete sich gestern auch bei Gaden (Kreis Erding): Eine Kanutin hat sich mit ihrem Boot im Gestrüpp verfangen und konnte sich nicht befreien, so die Polizei. Feuerwehren aus den Kreisen Erding und Freising sowie die Wasserwacht Moosburg eilten zur Isar, die auch hier derzeit viel Wasser führt. Die Frau konnte schnell gerettet werden.

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