Funchal – Das christliche Volksfest auf der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira im Atlantik hat gerade begonnen, da wird aus der religiösen Feier eine schreckliche Katastrophe. Eine jahrhunderte alte Eiche fällt plötzlich auf die Menschenmenge. Es gibt mindestens 13 Tote und mehr als 50 Verletzte, als der Baum am Dienstag samt des Wurzelwerks in die umstehenden Besucher kracht, teilen die örtlichen Behörden am Abend in der Hauptstadt Funchal mit. Zehn Menschen sind den Angaben zufolge auf der Stelle tot, drei weitere sterben später im Krankenhaus. Unter den Verletzten seien auch fünf Ausländer aus Deutschland, Ungarn und Frankreich. Sieben Personen sollen in einem kritischen Zustand sein.
Warum es zu dem Unglück kam, ist zunächst unklar. Bei der Eiche handelt es sich laut der Zeitung „Público“ um einen 200 Jahre alten Baum. In Madeira hatte es zuletzt immer wieder starken Wind gegeben, der das Wurzelwerk gelockert haben könnte. Den Angaben zufolge war die Eiche schon seit drei Jahren als gefährlich und umsturzgefährdet eingestuft. Bürgermeister Paulo Cafôfo sagt allerdings, die Krone sei grün und gesund gewesen, deshalb sei der Baum auch nicht mit Kabeln gesichert worden.
Auf einem Video ist der Moment zu sehen, in dem der Baum fällt. Er kippt offenbar ohne Vorzeichen um und trifft Dutzende Gläubige, die in der Nähe an einem Verkaufsstand Kerzen erwerben wollen. Schockierte Zeugen laufen in Panik in alle Richtungen. „Wir haben ein Knacken gehört, dann ist der Baum genau dort hingefallen, wo die Menschen Kerzen abgestellt haben“, sagt der Augenzeuge Domingos Perestrelo dem Fernsehsender „SIC Noticias“. Das Unglück ereignet sich demnach während der Messe – etwa eine halbe Stunde vor Beginn der eigentlichen Prozession.
Zahlreiche Helfer und Rettungskräfte sind vor Ort, darunter ein Einsatzteam von Ärzten, mehrere Krankenwagen und die Feuerwehr. Portugals Premierminister António Costa zeigt sich bestürzt und drückt den Angehörigen der Opfer im Kurznachrichtendienst Twitter sein tiefes Beileid aus. „Mein Mitgefühl gilt den Familien und Freunden der Opfer“, schreibt er. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa besucht die Insel am Abend. „In diesem Moment des Schmerzes ist es wichtig, Solidarität zu zeigen und die zu trösten, die leiden“, sagt er. Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen zur Unglücksursache auf.
Das „Festa da Senhora do Monte“, auf Deutsch „Fest der Herrin von Monte“, ist das größte und berühmteste religiöse Festival auf der portugiesischen Blumeninsel. Es wird von den rund 270 000 Einwohnern zu Ehren der Jungfrau von Monte, der Schutzheiligen der Hauptstadt Funchal, immer am 14. und 15. August abgehalten und lockt viele Besucher aus aller Welt nach Madeira. Die Straßen und die Wallfahrtskirche in den Bergen oberhalb von Funchal werden dann aufwendig mit Blumen geschmückt, es gibt Musik und Stände sowie die Prozession tausender Pilger.
Das Volksfest wird nach dem tragischen Vorfall gestern sofort abgebrochen. Die Regierung von Madeira ruft eine dreitägige Trauerzeit aus.